Thomas Schaaf – Die Biografie

In der Saison 2025/26 hat Werder Bremen bereits einen Trainerwechsel hinter sich und steckt im Abstiegskampf. Vor zweiundzwanzig Jahren bot sich ein anderes Bild. Zwischen 1988 und 2004 feierte Werder Bremen seine erfolgreichen Jahre – und sie waren eng mit einem Namen verbunden: Thomas Schaaf. Schaaf war nicht nur Trainer, sondern auch Spieler des Vereins – insgesamt spielte er rund 40 Jahre lang in unterschiedlichen Rollen eine zentrale Bedeutung für Werder.

Der Autor Daniel Cottäus traf sich für seine Biografie mehrfach im Haus der Schaafs zum Kaffee. Entstanden ist eine Lebensgeschichte, die nicht nur tiefe Einblicke in das Leben von Thomas Schaaf gibt, sondern auch den damaligen Zeitgeist widerspiegelt.

Thomas Schaaf begann seine Laufbahn als Elfjähriger in der D-Jugend von Werder. Mit 17 Jahren lernte er bei Länderspielen mit der A-Jugendnationalmannschaft unter anderen die damalige Sowjetunion kennen. Werders Profitrainer Wolfgang Weber – Nationalspieler und Vizeweltmeister von 1966 – erkannte früh Schaafs Ehrgeiz und verhalf ihm am 18. April 1979 zum Bundesliga-Debüt. Schaaf war damals der jüngste Bundesligaspieler der Vereinsgeschichte. Seinen ersten Profivertrag unterschrieb er im Juni 1980. Der Weser-Kurier wählte ihn später zum „Aufsteiger des Jahres“. Als Spieler erlebte Schaaf als Einziger die gesamte Ära Otto Rehhagel. Über seinen damaligen Trainer sagt er: „Seine große Stärke war es zu erkennen, wer zusammenpasst, damit die Gruppe funktionieren kann.“ Den ersten Schritt in Richtung Trainerkarriere machte Schaaf 1987, als er neben dem Profialltag eine Nachwuchsmannschaft betreute. Um ihn langfristig an den Verein zu binden, bot ihm Vizepräsident Klaus Fischer einen Vertrag an, der ihn zur Saison 1993/94 zum Jugend-Cheftrainer machte. Er arbeitete mit zahlreichen herausragenden Spielern zusammen, darunter Rudi Völler, Claudio Pizarro, Torsten Frings und Karl-Heinz Riedle. Frings sagte später über ihn: „Thomas war wie ein Vater für mich.“ Nach einem persönlichen Gespräch verzichtete Frings sogar auf einen bereits vereinbarten Wechsel nach Turin und blieb in Bremen.

Schaafs Karriere war geprägt von großen Erfolgen und persönlichen Schicksalsschlägen. 1988 gewann er mit Werder die Deutsche Meisterschaft, kurz darauf verstarb sein Vater. 1992 wurde Werder Europapokalsieger, den DFB-Pokal gewann der Verein unter Schaaf viermal. 1993 und 2004 folgten weitere deutsche Meisterschaften.

Privat bedeutet Familie für Thomas Schaaf alles. Mit seiner Jugendliebe Astrid Walter ist er seit 36 Jahren verheiratet. Auch seine Tochter Valeska spielt eine zentrale Rolle in seinem Leben. Am 15. Juni 2003 starb unerwartet sein Bruder Peter. Auch der beste Freund der Familie verstarb. Schaaf engagierte sich daraufhin als Botschafter für den Verein „Trauerland“. Die Meisterschaft 2004 widmete er seinem verstorbenen Bruder.

Als Spieler absolvierte er 380 Pflichtspiele für Werder Bremen, gewann zwei deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege und einen Europapokal. Als Trainer entwickelte er eine klare Philosophie: „Du musst als Trainer immer einen Rahmen haben, der vorgibt, was jeder Einzelne darf und was nicht in Ordnung ist“ – die richtige Mischung aus Struktur und Freiheit.

Thomas Schaaf baute enge Bindungen zu seinen Spielern auf. Er war zugleich strenge Autorität und verlässliche Schulter, Chef und Kümmerer. Er galt als akribisch und detailversessen. Wenn seine Spieler zu Länderspielen unterwegs waren, mussten sie ihn nach dem Spiel anrufen und ihre persönliche Einschätzung schildern.

2004 wurde er sowohl vom Verband Deutscher Sportjournalisten als auch vom Kicker zum Trainer des Jahres gewählt. Auch Rudi Völler würdigt seine Arbeit: „Was Thomas als Trainer geleistet hat, ist absolut herausragend.“ Zahlreiche Anekdoten bereichern die Biografie. So lernte Schaaf Rudi Völler näher kennen, als er ihm bei einer Autopanne half. Weil er zudem beim Umbau des Weserstadions tatkräftig mit anpackte, wurde das Stadion vereinsintern augen-zwinkernd „Schaaf-Stall“ genannt. Zu seinem Markenzeichen wurde der graue Hoodie mit der Aufschrift „WERDER“ – 80 Prozent Baumwolle, 20 Prozent Polyester –, den er nahezu immer trug. Die Geschichte des Spielers und Trainers Thomas Schaaf ist reich an Höhepunkten, Kuriositäten, Rückschlägen und Titeln – in einer Dichte, die in der langen Historie Werder Bremens einzigartig ist.

Er selbst meint zum Schluss des Buches: „Wenn ich heute an den kleinen Jungen zurückdenke, der damals auf dem Brommyplatz mit seinen Freunden gekickt hat, dann ist es bis zum heutigen Tag gut gelaufen.“

Für jeden Werder Fan ist dieses Buch ein Muss, aber auch für andere Fußballinteressierte gibt die Biografie einen Einblick in eine Person, die sich – heute kaum mehr vorstellbar – 40 Jahre lang einem Verein verbunden fühlte und damit eine lange Ära bei und mit Werder Bremen prägte.

Das Buch „Thomas Schaaf – Die Biografie“ ist im Werkstatt Verlag erschienen und wurde von Autor Daniel Cottäus geschrieben.