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"'Fußball trifft Kultur' ist ein 360 Grad Projekt"

Im April feiert die LitCam 10-jähriges Jubiläum des "Fußball trifft Kultur"-Projektes. Zu diesem Anlass spricht Susanne Schneider (Managerin interne Kommunikation Börsenvereinsgruppe) mit Karin Plötz – Direktorin der LitCam – über ihre persönliche Motivation bei der LitCam, Höhen und Tiefen der letzten zehn Jahre und ihren größten Wunsch für ihr Herzens-Projekt "Fußball trifft Kultur".

Ploetz Karin Turnier 2016 Schneider: Karin, im April feiert ihr 10-jähriges Jubiläum von "Fußball trifft Kultur". Wie und in welchem Zusammenhang ist denn damals die Idee für die Literacy Campaign entstanden?

Plötz: Ich war damals bei der FBM für den Bereich Bildung zuständig und habe in diesem Zusammenhang in 2006 die LitCam gegründet. Damals unter dem Titel Frankfurt Book Fair Literacy Campaign. Die Idee war es, eine Kampagne zum Thema „Grundbildung für alle" zu deklarieren. Wir haben eine internationale Konferenz ins Leben gerufen und Organisationen aus aller Welt eingeladen, die sich mit dem Thema Literacy beschäftigen. Gleichzeitig kam bei mir der Gedanke auf, man müsse eigentlich ein ganz konkretes Projekt durchführen. Also nicht nur reden, sondern handeln. Ich hatte damals einen Freund in England, der Fußballtrainer und Lehrer an einer sehr schwierigen Schule war. Über seine Schilderungen kam ich auf die Idee, das Projekt "Fußball trifft Kultur" anzustoßen.

Wir begannen hier in Frankfurt mit einer Startfinanzierung von der Aventis Foundation und in den Folgejahren habe ich das Projekt schon auf andere Städte ausgeweitet. In Hamburg sagte uns Kai Diekmann von der BILD finanzielle Unterstützung zu und damit ging es dort dann zusammen mit dem HSV los. Jedes Jahr kamen neue Standorte und Sponsoren hinzu. Die Bundesliga-Stiftung ist seit 2012 unser bundesweiter Partner und viele lokale Unternehmen unterstützen die Projekte vor Ort. In 2015 haben wir den Initiativkreis Ruhr im Ruhrgebiet als Unterstützer hinzu gewonnen. Und gerade im Ruhrgebiet kann man sehen, wie bitter nötig die Schulen solche Sozialprojekte haben.  

Schneider: Wie viele Standorte habt ihr jetzt insgesamt?

Plötz: Derzeit sind es 21.

Schneider: Was ist die Hauptaufgabe von "Fußball trifft Kultur"?

Plötz: Eine sehr wichtige Aufgabe ist es, über den Sport zu vermitteln, wie ein anständiges soziales Miteinander funktionieren kann. Die Kinder lernen, sich an Regeln zu halten. Sie lernen Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Fairness kennen, aber auch Leistung  zu bringen oder verlieren zu lernen gehört mit dazu. Der Sport ist das Vehikel, um diese Werte zu transportieren. Durch den Wettbewerb im Fußball spornen wir den Ehrgeiz der Kinder an und das führt dazu, dass sie sich auch in ihrem Verhalten versuchen anzupassen und sich beim Lernen mehr bemühen.

Es ist ein 360 Grad-Projekt; die Kinder sollen den Sport machen und die Bewegung haben, sie sollen lernen, nach bestimmten sozialen Werte zu leben, sie sollen sich schulisch weiter entwickeln und wir erweitern über den Besuch kultureller Events ihren Horizont. Wir holen sie auch mal aus ihrem Kiez heraus und zeigen ihnen, dass es noch anderes da draußen gibt.

Schneider: Neben den Trainern, die den Sport unterrichten, habt ihr Lehrer, die den Kindern und Jugendlichen den Schulstoff vermitteln.

Plötz: Genau. Die Kinder haben zwei Mal in der Woche zwei Stunden Unterricht. Dabei sind die insgesamt 24 Kinder auf zwei Gruppen aufgeteilt. Immer im Wechsel spielt eine Gruppe eine Stunde Fußball und die andere hat eine Stunde Unterricht.

Wichtig ist uns, dass wir junge angehende Lehramtsanwärter haben, die als Honorarkräfte gegen Bezahlung arbeiten. So stellen wir sicher, dass wir wenig Fluktuation und die Kinder feste Ansprechpartner haben. Das ist enorm wichtig für den Erfolg des Projekts. Häufig haben diese jungen Lehramtsanwärter selbst Migrationshintergrund und dienen den Kindern als Vorbilder. Und es ist toll zu sehen, wie engagiert diese jungen Menschen sind und wie lange sie dann beim Projekt  bleiben. Im Grunde bleiben sie alle, bis sie das Projekt aus beruflichen Gründen aufgeben müssen. Und bei einigen hat sich sogar gezeigt, dass "Fußball trifft Kultur" für sie ein Karrieresprungbrett war.

Schneider: Sicher ist es nicht immer ganz einfach, die Finanzierung für die Projekte sicher zu stellen. Bekommt ihr auch Fördergelder von Bund und Ländern?

Plötz: Leider ist die Unterstützung hier sehr gering. Der Zuspruch ist zwar immer recht groß, die finanzielle Unterstützung allerdings leider weniger. Abgesehen vom Hessischen Ministerium des Inneren und für Sport, das uns seit einigen Jahren schon unterstützt.

Schneider: Aber du gibst dich auch in Krisenzeiten nicht so leicht geschlagen. Was treibt dich an?

Plötz: Meine Motivation ist wohl eine sehr persönliche, weil ich selbst aus einer Arbeiterfamilie komme und es geschafft habe. Und ich denke, es ist wichtig diejenigen zu unterstützen, die es nicht so leicht haben. Heute ist es noch viel schwieriger als zu meiner Zeit, aus den sozial schlecht gestellten Milieus heraus nach oben zu kommen. Die Lehrer sind häufig stark belastet. Wir motivieren die Kinder und stärken ihr Selbstwertgefühl und das Gefühl, etwas aus sich machen zu können. Meine persönliche Motivation ist es, bei den Kindern eine Basis zu schaffen, mit der sie sich im Leben zurechtfinden können und die verhindert, dass sie auf die schiefe Bahn gelangen.

Und bei manchen stellt sich dabei auch noch heraus, dass sie ganz spezielle Talente haben. Wir hatten einmal einen libanesischen Jungen, der sehr gut singen konnte. Durch das Projekt kam es dann zustande, dass er bei der Kinderoper in Hamburg probesingen durfte und dort aufgenommen wurde. Und diese kleinen Erfolgsgeschichten sind der Grund, warum ich das alles mache.

Schneider: Was fasziniert dich selbst am Sport Fußball so sehr?

Plötz: Meine Faszination am Fußball habe ich von meinem Vater. Ich bin quasi mit der Begeisterung für Fußball aufgewachsen; bei uns lief immer die Sportschau. Außerdem fasziniert mich am Fußball, dass es ein Spiel mit simplen und klaren Regeln ist, das aber trotzdem immer wieder Überraschungen parat hat. Und ich habe natürlich auch meine eigene Lieblingsmannschaft, den BVB. Fan zu sein und sich zu freuen, wenn die eigene Mannschaft gewinnt, das macht eben einfach Spaß.

Schneider: Was ist die größte Herausforderung bei eurer Arbeit?

Plötz: Die größte Herausforderung ist es sicherlich, neue Sponsoren zu gewinnen. Aber auch die Sponsoren dann langfristig zu halten, ist nicht immer einfach. Dazu benötigt es sehr viel öffentliche Aufmerksamkeit, die wiederum für die Umsetzung viel Manpower benötigt. Gleichzeitig müssen wir aber natürlich auch für die Qualität der Projekte sorgen. Und das alles machen wir mit einem recht kleinen Team. Da weiß man manchmal kaum, wo man anfangen soll. Man will sich natürlich von Projekten auch nicht mehr verabschieden, wenn sie einmal angelaufen sind, bloß weil die Sponsoren abgesprungen sind. Und dann geht's ans Kämpfen.

Schneider: Welche weiteren Projekte macht ihr bei der LitCam?

Plötz: Wir haben in Cape Town einen „Reading and Learning Room" innerhalb eines Community Centers aufgebaut und mit Lernmaterial ausgestattet. Hier unterrichtet ein Lehrer regelmäßig kleine Gruppen. Das ist ein kleines Projekt, das wir gerne aufrechterhalten möchten. Aber unser Hauptfokus liegt auf den Projekten in Deutschland.

Wir haben außerdem zum Welttag der Alphabetisierung in 2015 zusammen mit dem Börsenverein und der Frankfurter Buchmesse die Idee der Lern- und Leseecken in dem Projekt „Bücher sagen Willkommen" auf Flüchtlingsheime ausgeweitet. Mittlerweile sind es knapp 30 Lern- und Leseecken in Flüchtlingsheimen. Und mit Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums werden jetzt auch Schulen mit IK-Klassen mit Lern- und Leseecken ausgestattet.

Und wir führen natürlich noch unser LitCam Areal mit dem Kulturstadion auf der Frankfurter Buchmesse und den Bildungskongress durch.

Schneider: Wenn du einen Wunsch frei hättest? Was würdest du dir für dein Herzens-Projekt "Fußball trifft Kultur" wünschen?

Plötz: Da würde ich mir wünschen, dass ich so viel Geld hätte, dass ich "Fußball trifft Kultur" in allen Bundesligastandorten umsetzen könnte und eine langfristige Sicherung hergestellt wäre. Es wäre traumhaft, wenn wir das Projekt kontinuierlich weiter entwickeln könnten, ohne ständig so hart um die Finanzierung kämpfen zu müssen.

Schneider: Liebe Karin, ich danke dir für das Gespräch und wünsche euch weiterhin ganz viel Erfolg bei eurer Arbeit.

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