FtK Turnier 2017 Karin 1000 cut Für unsere Projekte sichten wir ständig aktuelle Fußball-Literatur.
Bei "Fußball trifft Kultur" sind Fußballbücher teil des Förderunterrichts, für den "Lese-Kicker" suchen wir das beste Fußball-Kinderbuch.
Hier stellt
unsere Direktorin Karin Plötz besondere Neuerscheinungen vor.

Jeden ersten Sonntag im Monat erscheint ein Fußballbuch-Tipp auf www.boersenblatt.net.

 

Trainer.jpg.2412315 5. August 2018: Lesenswerter Trainingsratgeber
 
Die Fußball-WM ist vorbei und das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft sowie deren nicht gerade erstklassiges Spiel hat doch bei einigen Fans die Begeisterung für den Fußball getrübt. Hinzu kommt das nicht gerade professionelle Verhalten der DFB-Führung in der Causa Özil und die jetzt darauffolgenden gesellschaftspolitischen Diskussionen. Da zu diesen Themen derzeit genügend Literatur und Berichte zu lesen sind, möchte ich diesmal ein Buch empfehlen, das den Fußball mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
 
"Trainer, wann spielen wir? Spielformen für den Fußball von heute und morgen" richtet sich an alle, die sich intensiver mit dem Fußball-Spielen beschäftigen, neben Trainern sicherlich auch interessierte Fußballfans und  – wahrscheinlich nicht zur Freude der entsprechenden Trainer − Eltern fußballspielender Kinder. Und da die Bundesliga jetzt in Kürze wieder startet, ist es interessant nachzulesen, was z. B. der Sky-Kommentator meint, wenn er von "Mittelfeldpressing" oder "Viererkette" spricht.
 
Ausgehend von dem Standpunkt, dass alle Spieler Fußball spielen wollen, wird zu Beginn des Buches die Frage in den Raum geworfen, ob der derzeitige Trainingsschwerpunkt in den Leistungszentren richtig ist oder ob das Training auch wieder auf die individuellen Qualitäten des einzelnen Spielers gelenkt werden sollte. Ein Thema, das insbesondere nach der WM mit Spielern wie Mbappé aktuell heftig diskutiert wird. 
 
Soll man lenken oder selbstbestimmt spielen lassen? Passend dazu wird auch auf die veränderte Situation der Lebenswelten der Jugendlichen hingewiesen. Während Kinder und Jugendliche früher auch in ihrer Freizeit direkt wieder Fußball spielten, spielen sie heute eher E-Fußball, also sitzen am PC, Laptop und Smartphone. Ist E-Sport eine Bedrohung für unsere Spielentwicklung und warum wird E-Sport von so vielen jungen Leuten gespielt? 
 
Der Schwerpunkt dieses Ratgebers dreht sich um die verschiedenen Spielformen und wie man damit den Spieler und das Spiel besser machen kann. Umfangreich werden offensive − "Ball-Liebe" − und defensiven – "Raum-Liebe" – Spielformen dargestellt. Detaillierte Erklärungstexte zu den einzelnen Spielformen wie z. B. Ballhalten, Konterspiel oder Spieleverlagerung werden ergänzt durch entsprechende Übungen, die mit farbigen Grafiken illustriert einfach nachvollziehbar dargestellt werden.
 
Auch wer nicht zum Trainingsexperten werden will, findet in der Rubrik "Nachspielzeit" sehr viel Interessantes. Welche sporthistorischen Begebenheiten liegen unseren modernen fußballpraktischen Vorstellungen zur Weiterentwicklung zugrunde? Neben Jimmy Hogan, dem Vater des ballorientierten Trainings und des Kurzpassspiels und Erfinder des modernen kontinentaleuropäischen Fußballs − und in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts Vorbild für den späteren Bundestrainer Helmut Schön − wird natürlich auch das große Vorbild von Pep Guardiola sowie vieler anderer Trainer Johan Cruyff und dessen Einfluss auf den Jugendfußball vorgestellt.      
 
Dem DFB-Fußballlehrer und hauptamtlichen Trainer der DFB-Ausbilder Peter Hyballa, dem DFB-Fußballlehrer und aktueller Stützpunkttrainer in der Eliteförderung des DFB Hans-Dieter te Poel und dem renommierten Fußballautor und -historiker und ehemaligen Fußball-Jugendtrainer Dietrich Schulze-Marmeling ist es gelungen, Fachwissen zum Fußballtraining, Spielformen und Strategien für die Zukunft sowie Fußballhistorie zu einem rundum wissens- und lesenswerten Trainingsratgeber zusammenzufassen.
 
Bibliografie
 
Peter Hyballa / Hans-Dieter de Poel / Dietrich Schulze-Marmeling
"Trainer, wann spielen wir? Spielformen für den Fußball von heute und morgen"
Verlag Die Werkstatt
224 S., 24,90 Euro
ISBN 978-3-7307-0376-2

WM Kolumne 7 WM-Spezial 8: Pitschnass mit dem Pokal – Frankreichs Team holt den Titel

Was bleibt von dem WM-Finale wahrscheinlich als erstes in Erinnerung: Ein heftiger Regenschauer startete punktgenau zur Pokalübergabe und klitschnasse Spieler erhielten vom pudelnassen französischen Präsidenten Macron und der kroatischen Präsidentin Grabar-Kitarović triefende Umarmungen und Küsschen. Während sich Modric kaum aus den Armen der Präsidentin befreien konnte war es beim französischen Team Didier Deschamps, der erst nach einer gefühlten Ewigkeit aus Macrons Umarmung zum Weg zur Pokalübergabe freigelassen wurde. Ein staubtrockener FIFA Präsident Infantino, der sich unter Putins einzigen Regenschirm gestellt hatte, überreichte dann als erster dem Kapitän Lloris den WM-Pokal. Lloris konnte da bereits über seine Slapstickeinlage, bei der er seinem Namensvetter Loris Karius nachahmte und den Ball direkt zum nebenstehenden gegnerischen Stürmer schob, lachen, da das davon ausgehende Tor von Mandzukics zum 4:2 keine Auswirkung mehr auf Frankreichs Erfolg hatte.

Aber selbst im Regenschauer sah man die Tränen von Modric und für ihn war die Anerkennung als bester Spieler der WM in diesem Moment wohl eher ein Trostpreis. Anders bei Kylian Mbappé, dessen Auszeichnung als bester Jugendspieler der WM der Start in die verdiente Nachfolge von Ronaldo und Co. werden kann.

Mbappé war mit Griezmann und Pogba einer der „drei französischen Musketiere“, die nicht nur mit ihren Toren am WM-Titel der Franzosen maßgeblich beteiligt waren. Ausschlaggebend war allerdings der Teamgeist, der alle französischen Spieler auszeichnete und der vom „General“ Deschamps mit einer siegreichen Strategie untermauert wurde. Für Didier Deschamps ist es die zweite WM, die er gewinnt, einmal als Spieler 1998 und jetzt als Trainer. Damit tritt er in die Fußstapfen von Franz Beckenbauer und dem Brasilianer Mário Zagallo und reiht sich ein in die Reihe der erfolgreichsten Fußballer.

Das kroatische Team kann mit seinem Kapitän Modric verdient feiern, der zweite Platz ist das beste Ergebnis, was dieses Team je erreicht hat. Ihr Kampfgeist und Wille zum Erfolg brachte sie bis zum Finale. Der verdient beste Spieler der WM, Modric, hatte als Anführer dieser Truppe daran den größten Anteil. Von den Fans wurde dieser zweite Platz wie ein WM-Sieg gefeiert.

Beim Spiel am Vortag um den 3. Platz hat Belgien den „Trostpreis“ mit vollem Willen gewonnen und damit erstmalig den 3. Platz bei einer WM erzielt. Es schien fast, als ob die Engländer nicht ganz so überzeugt, waren, dass ein 3. Platz auch einen Wert hat. Kane verpasste zwei Chancen. Und auch Dier, der zeitweise einer der wenigen Engländer „on fire“ war, verpasste seinen Ausgleichstreffer durch die belgische Boateng 2.0-Verteidigung auf der Linie durch Toby Alderweireld. Eden Hazard wird seinen Marktwert während der WM erheblich gesteigert haben, er hatte bei der WM alleine sieben Torbeteiligungen (drei Treffer, vier Vorlagen). Harry Kane gewinnt  doch einen Titel und zwar als WM-Torschützenkönig mit sechs Treffern und auch Belgien kann neben der Medaille für den 3. Platz auch noch den goldenen Handschuh für Thibaut Courtois als bester Torwart der WM mitnehmen.

Die WM ist zu Ende und hat vor allem für das früh ausgeschiedene deutsche Team eine große Aufarbeitung zur Folge. Es wird bis zum Beginn der Bundesliga sicher noch viele Beiträge und Diskussionen geben. Ich bin gespannt, wie dann das Spiel des neuen Weltmeisters Frankreich gegen den alten Weltmeister Deutschland am 6. September in München bei der Premiere der UEFA Nations League ausgehen wird.

Einen Glückwunsch an den WM-Sieger Frankreich und natürlich auch an die Gewinner des Tippspiels.

 

WM Kolumne 6 WM-Spezial 7 -  "Erwartet unerwartet! Frankreich und Kroatien im Finale"

Was bisher geschah: Bei den Viertelfinalspielen am Freitag und Samstag mussten wir uns von vier Mannschaften verabschieden. Die als einer der Favoriten angesehenen Brasilianer konnten sich gegen die als Geheimfavorit gewerteten Belgier nicht durchsetzen. Wir müssen auf die schauspielerischen und spielerischen Einlagen von Neymar verzichten und Brasilien wartet weiter auf den nächsten WM-Titel. Rugby-Einlagen der Uruguayer, vornehmlich durch „Beißer“ Suarez, halfen nicht und die Franzosen erspielten sich ein verdientes 2:0. Trotz mutigen Auftretens der Schweden gewannen die Engländer durch grandiose Paraden des Torhüters Pickford und zwei Toren von Maguire und Alli ebenfalls verdient mit 2:0. Voller Herzblut und Kampf ging es bei Russland gegen Kroatien in die Verlängerung und zum Elfmeterschießen. Nie war die russische Mannschaft so weit gekommen und viele Russen hofften auf ein weiteres Elfmeter-Wunder. Leider versagten zwei russischen Spielern die Nerven und vor allem der eingebürgerte brasilianische Spieler Fernandes verwandelte sich innerhalb einer Stunde vom Helden zum tragischen Verlierer. Erst traf er in der Verlängerung zum Ausgleich und dann verschoss vom Elfmeterpunkt. Kroatien kam, jetzt sehr erfahren mit Verlängerungsspielen einschließlich Elfmeterschießen, weiter. Aber Russland hat den Fußball wieder für sich entdeckt.

Wie schafften es Frankreich und Kroatien ins Finale?

Die Franzosen spielten routiniert und mit all ihrer individuellen Klasse mit Spielern wie Mbappé und Griezmann, gegen die Belgier. Von De Bruyne war überraschend wenig zu sehen, dafür glänzte bei den Belgiern Eden Hazard. Die beiden besten Torhüter dieser WM, Lloris und Courtois, zeigten Glanzparaden, aber ein Tor des französischen Verteidigers Umtiti, der von einem Journalisten mal als bullige Version von Beckenbauer bezeichnet wurde, entschied das Spiel. Umstritten ist, ob die Haarbüschel von Fellaini einen entscheidenden Anteil am Torschuss hatten.

Wesentlich spannender ging es im letzten Entscheidungsspiel für das Finale zu. Die unerwartet ins Halbfinale gekommenen Engländer spielten gegen die – wie bereits erwähnt – als Geheimfavorit geltenden Kroaten. Nachdem durch eine Standardsituation bereits in der 5. Minute Trippier – dessen Name gerne für dumme Scherze genutzt wird – das Führungstor schoss, spielten die Engländer eine Stunde lang überlegen und erfrischend Fußball. Besonders der junge Sterling wirbelte durch das Feld und schaffte immer wieder Freiräume für sein Team. Vorher hatte es Wirbel um ihn in England wegen eines tätowierten Gewehrs gegeben. Hintergrund war allerdings, dass sein Vater, als er zwei Jahre war, niedergeschossen wurde. Und mit seiner Leistung machte er seinem Namen alle Ehre und glänzte (wie Sterling Silber). Die Kroaten wirkten sehr blass. Kane konnte allerdings eine tolle Chance zum 2:0 nicht nutzen. Dies zeigte sich als entscheidend. Denn als der frühere Dortmunder Perisic mit hohem Bein in der 68. Minute den Ausgleich schoss, schoss auch gleichzeitig eine riesengroße Dosis Adrenalin in alle Kroaten. Überraschend drehten sie das Spiel und setzten sich gnadenlos und effektiv gegen die Engländer in der Verlängerung durch. Anführer und bester Spieler war der kleine drahtige Champions League Gewinner Luka Modric, von dem man in den letzten Minuten dachte, dass er gleich zusammenbricht. Aber die Kroaten entwickelten sich zum Weltmeister in der Verlängerung und schafften mit Mandzukic, der sich zwischendurch – vermutlich mit Krämpfen – immer wieder auf dem Boden wälzte, den entscheidenden Treffer.

Die junge englische Mannschaft und ihr toller Trainer Southgate, der ja auch die Last der Tragik eines verschossenen Elfmeters als Nationalspieler unter seiner – jetzt zum Mode-Hype gewordenen – Weste trägt, waren natürlich am Boden zerstört. Nicht so aber die fantastischen englischen Fans, die bei mir und vermutlich vielen anderen einen „Gänsehautmoment“ nach dem Spiel hervorriefen: Sie sangen für ihre Mannschaft „Don't look back in anger“ (u.a. in Gary Linekers Twitter Acount nachzusehen). Von dieser jungen englischen Mannschaft und ihren Fans kann man zukünftig noch einiges erwarten. Zeitnah gibt es noch am Samstag das Spiel um den dritten Platz gegen Belgien. Noch können die Fans in Russland weiter singen.

Extrem spannend wird es am Sonntag um 17 Uhr beim Finale. Kann Frankreich, die zum dritten Mal in einem WM-Finale stehen, nach dem WM-Titel 1998, also nach 20 Jahren, einen zweiten Stern auf ihr Trikot prägen? Einen WM Titel erfahrenen Trainer haben sie mit Didier Deschamps sowie großartige Spieler, die auch ein Team bilden. Wie ein Frankreich Fan meinte: 1998 war ein einzigartiges Jahr für den französischen Fußball – Kylian (Mbappé) wurde geboren.

Kroatien dagegen könnte erstmals einen WM-Titel erringen. Sie spielen als großartige kämpferische Einheit. Und für viele der älteren Spieler bedeutet dieses Spiel die allerletzte Chance, jemals Weltmeister zu werden. Also wird dort sicherlich wieder extrem viel Adrenalin freigesetzt werden.

Lassen wir uns überraschen. Viel Spaß beim Finale!
Und wir schauen, wer Tipp-Meister wird.

 

WM Kolumne 5 WM-Spezial 6 - "Sport, Spiel, Spannung"

Wer sich vom Sommerwetter nicht beirren ließ und die WM Achtelfinal-Spiele der letzten Tage verfolgte, wurde belohnt: Spannung bei Verlängerungen und Elfmeterschießen, Aus für WM Favoriten sowie Theater und weltmeisterliches Fußballspiel ... Allerdings werden wieder viele Tipper danebengelegen haben.

Deutschland war der erste der WM-Favoriten, der scheiterte – und das schon in der Vorrunde. Am Samstag ging die Auslese weiter.

In einem der bisher besten WM-Spiele brillierte einer der kommenden Superstars: der 19-jährige Kylian Mbappé. Obwohl sein Name schwierig auszusprechen ist, ist er in aller Munde. Wie er das Spiel mit seinem Tempo und seinem Spielwitz an sich riss, war absolut sehenswert. Beim 4:1 gegen Argentinien schoss er zwei Tore. Und ist damit der zweitjüngste Doppeltorschütze einer WM – hinter Fußballlegende Pelé, der ihm auch direkt per Twitter gratulierte. Was ihn für mich besonders sympathisch macht: seine gesamten WM-Prämien spendet er gemeinnützigen Organisationen. Dagegen konnte sich der ehemalige Weltfußballer Messi mit seiner argentinischen Mannschaft nicht durchsetzen und so schied ein weiterer ehemaliger WM-Finalist aus.

Auch der zweite WM-Weltfußballer wird bei dieser WM nicht mehr dabei sein: Ronaldo. Weder er noch die anderen portugiesischen Spieler konnten sich gegen das humorlos und bissig spielende Team aus Uruguay durchsetzen und verloren 1:2. Zweifacher Torschütze war der Matchwinner Cavani. Die Szene des Spiels war aber die kollegiale Hilfestellung von Ronaldo für den gegen Ende des Spieles verletzten Cavani beim Weg an den Spielfeldrand.

Und noch ein WM-Favorit wurde am Sonntag geschlagen. Das müde Tiki-Taka-Spiel von Ramos und Co. reichte nicht gegen das Team des WM-Gastgebers. Nach Verlängerung und zahlreichen Krämpfen der russischen Spieler, die durchschnittlich 6 km mehr gelaufen waren als die Spanier, kam es zum Elfmeterschießen und zu einem Freudentaumel des russischen Teams und vor allem der russischen Fans: Russland kommt auch dank seines großartigen Torwarts Akinfeev mit einem 5:4 weiter ins Viertelfinale.

Bis ins Elfmeterschießen schaffte es auch das engagierte Team der Dänen. Den Favoriten Kroatien konnten sie bis zur 120. Minute Kontra geben. In Erinnerung bleiben auf jeden Fall Knudsen mit seinen Weit(ein-)würfen und der Torwart Kasper Schmeichel, Sohn des Torwartidols Peter Schmeichel. Als Matchwinner ausgezeichnet, musste er sich aber dem kroatischen Torwart Subasic geschlagen geben. Beide hielten je drei Elfmeter, allerdings verhinderte Schmeichel während des Spiels einen Elfmeter und konnte beim Elfmeterschießen nur zwei halten. Damit ging es 3:2 für Kroatien aus.

Weiter ging es dann am Montag mit dem Spiel Brasilien gegen Mexiko. Dank eines großartigen Willian, der trotz einer Temperatur von mehr als 30 Grad Dauersprints spielend bewältigte und des genialen Neymars, der zwischendurch wieder ein wenig theatralisch wurde, gelang Brasilien ein 2:0. Aber natürlich zeichnen sich auch alle anderen brasilianischen Spieler durch fußballerische Klasse aus und machen sich Hoffnungen auf das „Hexampeonato“, den sechsten WM-Titel.

Das letzte Spiel des gestrigen Tages brachte fast eine Sensation. 70 Minuten lang behaupteten sich die geschickt und mutig spielenden Japaner gegen den Favoriten Belgien. Erst als es dann 2:0 für Japan stand, erwachten die Belgier und schafften es in der buchstäblich letzten Minute noch zum 3:2 für Belgien.

Ob Schweden oder die Schweiz und Kolumbien oder England weiterkommen, sehen wir heute ab 16 Uhr.

Eins ist auf jeden Fall sicher: Es erwarten uns wirklich spannende Spiele im Viertelfinale und der Freitag ist mit Frankreich gegen Uruguay und Brasilien gegen Kroatien schon sehr vielversprechend. Und die Tippspiele gehen weiter ...

Anmerkung der Redaktion: Das Tippspiel-Team von WeitOben behauptet sich weiterhin an der Spitze - beachtlich! Auch bemerkenswert: Team BenHörBuch hat mit ordentlich vielen Punkten einen Sprung nach oben gemacht. Aber mal schauen, wie es heute Abend dann aussieht.

Nach dem Ende der Vorrunde übrigens, verschickten fleißige Hände aus unserem Haus an die führenden Mannschaften der Teamwertung ein Paket mit Nervennahrung. Ebenso durften sich die besten fünf Einzeltipper und die Spieler, die zwar fleißig tippten, aber tendenziell meist daneben lagen, auf eine kleine Überraschung freuen.

Copyright Foto: Petra Gass

Gruppe F WM-Spezial 5 - "Es gibt immer ein erstes Mal"

Deutschland verliert gegen das aktuell auf Platz 57 der FIFA Statistik geführte Team der Südkoreaner mit 0:2. Wer 10 Euro auf den Sieg von Südkorea gegen Deutschland gewettet hat, hat jetzt 175 Euro sicher. 17,5 war die Quote beim Wettanbieter betfair. So unwahrscheinlich schien ein Sieg von Südkorea.

Ich denke, auch bei den Tippern des Börsenblatt-Tippspiels haben die wenigsten auf eine Niederlage Deutschlands gewettet.

Nachdem das Tor von Kroos beim Spiel gegen Schweden die Hoffnung auf einen Ruck in der Mannschaft geweckt hatte, schwand diese Hoffnung im Laufe des Spielverlaufs am Mittwoch immer mehr. Der Trainer von Korea, Shin Tae-yong, hatte sich stylemäßig schon Jogi Löw angepasst und auch sein Team schaffte es, sich dem Spiel der Deutschen anzupassen, bzw. kein Gegentor zuzulassen. Ob es an der Hitze lag, weiß man nicht, aber das deutsche Team wirkte sehr müde, ein Kommentator sprach sogar von apathisch. Wie schon die Mexikaner schienen auch die Koreaner flinker. Das zeigte sich leider in den letzten Minuten, als Son, der Star der Truppe, die Situation ausnutzte, dass Neuer mit nach vorne gekommen war. Übrigens soll Son besonders motiviert gewesen sein, da ihm im Falle der Niederlage der obligatorische Militärdienst drohe. Und so schoss er das 2:0 für Südkorea in das torwartleere Tor.

Spekulationen, wie es mit der deutschen Mannschaft weitergeht, möchte ich mich aktuell nicht anschließen. Aber die WM geht weiter. Und vielleicht gibt es ja auch andere Mannschaften, denen man die Daumen drücken kann. Das Spiel Brasilien gegen Serbien machte auf jeden Fall wieder Spaß am Fußballschauen. Die Brasilianer kommen so langsam richtig ins Spiel und Neymar hatte diesmal nicht nur schauspielerische sondern auch klare spielerische Klasse. Nicht zu vergessen auch Coutinho und Jesus. Leider musste Marcelo verletzt vom Platz. Hoffen wir, dass er beim nächsten Spiel gegen Mexiko wieder dabei ist. Genauso stark verkauften sich die Schweden, die jetzt gegen die Schweiz im Achtelfinale spielen. Und wir haben natürlich auch noch die englischen Löwen mit Torjäger Kane, die Belgier mit Batshuayi, de Bruyne und Lukaku, die Franzosen mit Mbappé, Pogba und Dembelé, die Kroaten und die einzige afrikanische Mannschaft Senegal mit Mané und dem früheren senegalesischen WM-Spieler und jetzigen Trainer Cissé. Die WM bleibt interessant - bleiben sie doch einfach auch am Ball.

Das Tippspiel geht auf jeden Fall weiter. Und vielleicht liegen Sie mit ihrem Tipp ja auch bald wieder richtig.

 

WM Kolumne 4 WM-Spezial 4 - "... und am Ende gewinnen irgendwie verdammt noch mal die Deutschen!"

Es gab zwar keine seismographischen Anzeichen von Erdbeben wie in Mexiko, aber womöglich waren es doch einige Dezibel, die am Samstagabend gegen 22 Uhr in Deutschland zu hören waren. Nach amtlichen Angaben waren auch wieder 27,8 Mio. Zuschauer live am Fernseher dabei, um das entscheidende Spiel Deutschland gegen Schweden zu sehen. Jogi Löw hatte erstaunlicherweise einige Änderungen durchgeführt und es spielte jetzt Rudy für den verletzten Hummels, Reus war von Anfang an dabei und Özil blieb auf der Bank. Aber es gab direkt ein Déjà-vu. Diesmal war es ein Fehlpass von Kroos, der zum ersten Tor der Schweden führte. Und Rudy musste mit vermutlich gebrochener Nase vom Platz. Dafür kam Gündoğan und kam überhaupt nicht in die Gänge. Aber "Rakete Reus" gelang in der zweiten Halbzeit nach brillanter Vorlage von Werner der Ausgleich. Es blieb spannend. Dafür sorgte auch Boateng, der sich "Rambo Ramos" als Vorbild nahm, allerdings einen anderen Schiedsrichter hatte und nach der zweiten gelben Karte rot sah. Da wurde aus der deutschen Elf eine deutsche Zehn, die in zehn Minuten versuchte, noch den Sieg zu erringen. Als es fast aussichtslos schien und bereits die vierte Minute der Nachspielzeit lief, brachte ein Foul an Werner einen Freistoß. Den legten sich die "Mathematiker" Kroos und Reus zurecht und berechneten die Flugbahn des Balles. Reus stoppte den Ball zentimetergenau dort, wo Kroos ihn haben wollte und der Schuss von Kroos lancierte den Ball auf der richtigen Flugbahn grandios ins Tor. Der Jubel danach kannte kaum Grenzen, auch nicht vor der Bank der Schweden, was zu einigem Aufruhr führte - beteiligt waren aber nicht die Spieler, sondern DFB-Offizielle. Der DFB musste sich dann schleunigst bei den Schweden entschuldigen.

Jetzt geht es ins nächste "Endspiel" fürs Achtelfinale gegen die Südkoreaner, die gegen Mexiko tapfer kämpften, sich aber dann doch mit 2:1 geschlagen geben mussten.

Mexiko übertrumpft Deutschland aber schon wieder in einer Sache gewaltig, nämlich in der Unterstützung der Fans, die wesentlich enthusiastischer, farbenfroh und lautstark den Sieg ihrer Mannschaft unterstützten.

Im erhofften Achtelfinale erwartet Deutschland Brasilien oder die Schweiz. Während Brasilien noch eher schwächelt, zeigt sich die Schweiz sehr spielstark.

In den anderen Spielen überzeugten Japan und Senegal beide beim spannenden Unentschieden, worüber sich auch die anwesende japanische Präsidentin sehr freute. Die Three Lions schafften - auch ohne die Anwesenheit der Queen - ein phänomenales 6:1 gegen Panama, wobei Kapitän Kane alleine drei Tore, davon zwei Elfmeter, schoss und jetzt mit fünf Toren aktuell Torschützenkönig der WM ist.

Noch erwähnen möchte ich die mittlerweile auch schon weit verbreitete Neuauflage des Spruches von Gary Lineker nach dem Last-Minute-Sieg der DFB-Elf gegen Schweden: „Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer rennen 82 Minuten dem Ball hinterher und Deutschland kriegt einen Spieler vom Platz gestellt. Also jagen 21 Männer für 13 Minuten dem Ball hinterher, und am Ende gewinnen irgendwie verdammt noch mal die Deutschen."

Hoffen wir, dass Lineker auch bei den weiteren Spielen mit deutscher Beteiligung recht behält.

Eine schöne WM-Woche und viel Erfolg beim Tippen!

 

tipps.JPG.2383294 WM-Spezial 3 - Ein WM Wochenende der Überraschungen

Viele Punkte wird es in den Tipprunden bisher wahrscheinlich nicht gegeben haben, denn es kam vieles anders als erwartet. In der ersten Runde der Gruppenspiele gab es einige Überraschungen, einen Sieger beim Duell der weltbesten Fußballer, viele Elfmeter und bis jetzt eine gute Leistung der Schiedsrichter und Videoschiedsrichterteams.  

Die erste Überraschung, ein 5: 0 der Russen im Spiel gegen Saudi Arabien, weckt so langsam doch das Interesse der Russen an ihrer eigenen Mannschaft bei der WM.

Die zweite Überraschung: Messi gelang mit den Argentiniern fast nichts gegen die wackeren Wikinger aus Island. Es reichte immerhin für ein Unentschieden, für Island eher ein gefühlter Sieg. Unentschieden spielte auch Portugal gegen Spanien, wobei es eher gefühlt ein Spiel Ronaldo gegen Spanien war. In der 82. Minute gelang Ronaldo der Ausgleich und zugleich sein drittes Tor. Damit ist Ronaldo klarer Sieger in der ersten Runde des Duells der beiden Weltfußballer, die laut Neymar ja nicht von dieser Welt sind.  

Auch Frankreich konnte nicht glänzen, trotz des jungen wilden Sturmtrios Mbappé, Dembélé und Pogba und spielte ein müdes 2 zu 1 gegen Australien. Leider gelang Ägypten ohne Salah keine Überraschung und sie mussten sich gegen Uruguay geschlagen geben. Jetzt hoffe ich auf einen Sieg der Ägypter gegen Russland, damit es doch noch zur „Rache des Pharao“ gegen Spanien kommen kann. Ramos hielt sich allerdings im Spiel gegen Portugal dezent zurück.

Natürlich fieberte halb Deutschland dem ersten Spiel der Deutschen bei der WM entgegen und schaute zu, als die mexikanischen Spieler wie Speedy Gonzalez die deutschen Spieler überraschten und überrannten. Erst mit Reus kam etwas Elan ins deutsche Team, aber die Einwechslung kam zu spät, um das Spiel noch zu drehen. Es reichte noch nicht mal zu einem Unentschieden, sondern Deutschland musste die erste Niederlage in einem WM Auftaktspiel seit 1982 hinnehmen.
Und wer den Schaden hat, braucht für den (lustigen) Spot(t) nicht zu sorgen. Nach dem Debakel der deutschen Mannschaft gab es nicht nur wenig schmeichelhafte Berichte in den Medien zu der Mannschaft, sondern natürlich auch fast 26 Millionen Beinahe-Trainer (= Zuschauer am Fernseher), die sicherlich auch der Meinung eines sich fast kaputtlachenden Mexikaners in einem „Fake-News-Interview“ waren und dieses Video zum viralen WM-Hit mit derzeit mehr als 3 Mio. Abrufen machten. Falls es noch jemanden gibt, der dieses Video noch nicht kennt, hier ist der Link:

https://twitter.com/ransport/status/1008442777984782336

Nachdem am Tag danach Funkstille beim deutschen Team herrschte, muss sich heute Kapitän Manuel Neuer den Fragen der Presse stellen. Wir warten ab. Da Schweden gestern gegen Südkorea gewonnen hat, ist ein Sieg am Samstag für die Deutschen WM-überlebenswichtig.
Die Erwartungen erfüllt haben England und Belgien und bleiben daher weiter auf der Liste der Geheimfavoriten. Ob Kolumbien auch auf dieser Liste bleibt, wird sich heute im Spiel gegen Japan zeigen. Und auch Polen und Lewandowski müssen gegen das gerade zum zweiten Mal bei einer WM vertretene Team des Senegals beweisen, wie stark sie sind.  

Es bleibt also weiterhin spannend. Viel Spaß bei den Tipps für die nächste Spielrunde.

 

Kick Cook Logo WM-Spezial 2 - Kickoff zur WM: Vom Kochen und Kicken

Die WM ist noch nicht gestartet und schon gab es den ersten Kracher: der erfolgreiche spanische Nationaltrainer Julen Lopetegui wurde zwei Tage vor dem Topspiel Spanien gegen Portugal kurzerhand entlassen – weil er zu Real Madrid geht. Dafür ersetzt ihn die Real-Legende Fernando Hierro. Werden die (Tipp-)Karten jetzt neu gemischt?

Aber bevor die WM heute mit dem Spiel des Gastgebers Russland gegen Saudi Arabien startet, hier noch eine Buchempfehlung, die sowohl beim Tippen als auch beim gemeinsamen Mitfiebern vor dem Fernseher hilfreich sein kann: "Kick and Cook. Das Kochbuch zur Fußball-WM 2018". Wobei Kochbuch dem Inhalt des Buches nicht ganz entspricht, denn die Autorin Katrin Roßnick bietet noch viel mehr: von allen 32 WM-Teilnehmern gibt es nicht nur ein landestypisches Rezept, sondern auch kuriose Geschichten aus dem Fußball und Wissenswertes zum Land.

Wer erinnert sich nicht an das WM-Finale 2014 und Christoph Kramers Frage an den Schiedsrichter, ob dies das Endspiel sei. Und als kulinarische Spezialität passt zu Deutschland dann Bier und Apfelkuchen. Im deutschen WM-Quartier Watutinki wird es davon eher weniger geben.

Zum Gastgeber Russland erfährt man, dass es fast 1.000 mal so groß wie Sachsen ist und nur einmal – 1960 – beim Europapokal der Länder den Pokal gewann, dank der Torwartlegende Lew Jaschin. Einfach zuzubereiten ist die kulinarische russische Spezialität: der Festtagssalat "Olivier".

Eröffnungsspielgegner Saudi Arabien glänzte bei der WM 1994, als das Team beinahe die  Niederlande besiegte und Gruppenzweiter wurde. Wir werden sehen, wie weit sie bei dieser WM kommen. Die Spezialität Pudding mit Mangosauce kann ein Weiterkommen für die Fans dann noch versüßen.

Und unser erster Spielgegner Mexiko ist neben Frankreich das einzige Land, dessen Küche zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Das Rezept einer Variante aus dieser Küche "Huevos Rancheros" ist durch die Anzahl der Chilischoten nach Schärfe variierbar. Mexiko produziert über zwei Millionen Tonnen Chilis pro Jahr. Und natürlich ist ganz Mexiko scharf auf einen Sieg am Sonntag.

Mit "Kick and Cook" gehen die kulinarischen Ideen zu den WM-Spielen nicht aus und die Fotos machen Appetit. Und selbst wenn krasse Außenseiter,  wie z. B.  – hoffentlich – Island weiterkommt, kann man für dieses Viertelfinalspiel dann die Zutaten für die isländische Spezialität Kaffee-Lakritz-Kuchen rechtzeitig einkaufen. Und für Smalltalk ist mit den kleinen Länderanekdoten auch gesorgt.

Ich wünsche ein gutes und für die deutsche Mannschaft erfolgreiches erstes WM-Wochenende – und auch viel Spaß in den Tipp-Teams.

Katrin Roßnick
Kick and Cook. Das Kochbuch zur Fußball-WM 2018
ISBN: 978-3-7307-0345-8
2. überarbeitete Auflage 2018
Preis: 12,90 Euro
Verlag Die Werkstatt

 

Karin Kolumne WM-Spezial 1 - Der Countdown läuft

Noch stehe ich vor einem leeren Stadion, aber das wird sich in Kürze ändern,  wenn in Russland die WM-Stadien ihre Tore öffnen.  Sie haben jetzt noch genügend Zeit, um sich beim Börsenblatt-Fußball-Tippspiel anzumelden und auszutesten, wie gut sie die verschiedenen WM-Teams einschätzen.

Aufgrund der vorangegangenen Fußballereignisse möchte ich meine großen Erwartungen hinsichtlich von drei - eigentlich eher vier - für mich in der Anfangsphase der WM hochinteressanten Spielen äußern:

15. Juni in Sotschi: Portugal – Spanien

Highlight: Wird sich Rammbock Ramos von den Spaniern auch in der 27. Minute direkt gegen seinen Vereinskollegen Ronaldo in Stellung bringen und dem Weltfußballer ein vorzeitiges Aus durch ein „unabsichtliches“ Foul einbringen? Damit hätte Spanien den 1. Platz in der Gruppe B so gut wie sicher. Natürlich kennt Ronaldo die Tricks des zu Höchstleistungen im Täuschen und Ringen erfahrenen Ramos und wird sich sicherlich nicht in dessen Reichweite aufhalten. Daher könnte eher da Silva zu einem von Ramos Opfern werden. Aber auch Portugals Nationaltorwart Anthony Lopes sollte sich vielleicht an Petr Čech ein Beispiel nehmen und mit Helm spielen. So verhindert Lopez eine Gehirnerschütterung durch Ellbogencheck von „Rambo Ramos“ mit erschütternden Toren ins eigene Netz. Entscheidend wird hier die Rolle des Videoschiedsrichters sein.

16. Juni in Moskau: Argentinien – Island

Die Wikinger sind wieder dabei. Wie werden sich die Publikumslieblinge der EM gegen Messi & Co. schlagen? Wie viele Isländische Fans schaffen es bis nach Moskau? Und werden die Fans wieder das Stadion  „er-huhen“?

17. Juni in Moskau: Deutschland - Mexiko

Zwei wichtige Fragen werden beantwortet: Wird Merkel beim ersten Deutschlandspiel in der WM dabei sein? Wird Manuel Neuer von Anfang an im Tor stehen?   

Und dann ein Spiel, das hoffentlich so stattfinden wird und das ich keinesfalls verpassen werde:

1. Juli: 16 Uhr in Moskau: 1. Gruppe B – 2. Gruppe A

Sollte hoffentlich Ägypten den 2. Platz in Gruppe A hinter Uruguay belegen und Spanien den 1. Platz in Gruppe B, dann kommt es zum Showdown Mo Salah gegen „Rambo Ramos“:

„Die Rache des Pharao“

Einzelheiten folgen im Laufe des Geschehens. Vielleicht haben Sie jetzt schon einige Ideen für Ihren Tipp beim Börsenblatt-Gewinntipp-Spiel.

 

Cover Mertesacker3. Juni 2018: "Ich lege mich jetzt erstmal in die Eistonne"

In wenigen Tagen startet die WM 2018 in Russland. Von der WM 2014 ist – neben dem deutschen WM Sieg - sicher bei vielen der Interviewausraster von Per Mertesacker in Erinnerung geblieben: „Was woll’n Sie… ich lege mich jetzt erstmal in die Eistonne, und dann sehen wir weiter“  - auf die Fragen von ZDF-Reporter Boris Büchler vor 28 Millionen Live-Zuschauern. Dieses legendäre Interview machte Mertesacker zum Youtube-Star mit mehr als 2,6 Mio Aufrufen.

Aktuell kam der Fußballprofi von Arsenal und Weltmeister noch mal in die Schlagzeilen mit einem Spiegel Interview, in dem er von dem für ihn unheimlichen Druck vor den Spielen bei der WM 2006 berichtete.

Jetzt hat Per Mertesacker seine Biografie veröffentlicht. In seiner offenen Art und Weise berichtet er über sein Leben als Fußballer und kommt mit dem Titel „Weltmeister ohne Talent“ mit einem Augenzwinkern auch direkt auf dem Punkt: Als Jugendlicher war er nicht das Supertalent und auch nicht darauf fixiert, Fußballprofi zu werden. Aber mit viel Engagement, Trainingsfleiß, einer gesunden Einstellung und natürlich einer Portion Glück gelang ihm eine grandiose und bewegte Karriere.

Mit 19 Jahren kam er bereits zu seinem ersten Profi-Einsatz bei Hannover 96. Kein geringerer als Ralf Rangnick hatte ihn ins Team geholt. 2006 wechselte er nach Werder Bremen, wo er neben Naldo, Pizzaro und Frings spielte und den DFB Pokal holte. Und ab 2011 spielte er sehr erfolgreich beim FC Arsenal und war bei den englischen Fans als „The big fucking german“ sehr beliebt. Bei seinen Teamkollegen gewann er mit seinem Einstandsritual der Gesangseinlage des Hits „Hey Baby“ von DJ Ötzi  Anerkennung. Angeblich gehört seine Einlage zur „All time Top 3“.  Mit Arsenal wurde er als Kapitän dreimal FA Pokalsieger.

Die Einladung zur Deutschen Nationalmannschaft erhielt er  überraschend an seinem 20. Geburtstag durch einen Anruf von Jürgen Klinsmann. Er erlebte das Sommermärchen 2006 und wurde 2014 Weltmeister, sogar mit einem Einsatz im Finale in den letzten Minuten der Verlängerung.  

Die Schattenseiten seines Fußballerlebens waren die vielen Verletzungen. Ausführlich beschreibt er die verschiedensten Therapieansätze, mit denen er versuchte, länger schmerz- und verletzungsfrei zu bleiben. Er lässt auch den Ansatz der Bedeutung der mentalen Gesundheit nicht aus. Der Körper ist für ihn die einzige Chance der Seele, auf sich aufmerksam zu  machen. Und im Fußball wird derzeit zu wenig darauf geachtet.

Seine Erfahrungen möchte er gerne in seinem neuen Leben als Leiter des Arsenal-Nachwuchs-leistungszentrum einbringen und jungen Spielern neue Denkanstöße zu geben.

Die Biografie gibt einen interessanten Einblick in das Leben eines sympathischen Fußballprofis, der sich auch Gedanken über die verschiedenen Facetten des (Fußball-)Lebens macht. Welche Eigenschaften sollte ein Fußballprofi eigentlich mitbringen? Nicht das beste Fußballtalent wird tatsächlich der beste Fußballprofi. Es gehört mehr dazu. Mit diesem wirklich lesenswerten Buch können Sie sich schon gut auf die WM einstimmen.

Bibliografie:

Per Mertesacker

Weltmeister ohne Talent

Mein Leben, meine Karriere

Ullstein extra

272 S., 20,00 Euro

ISBN 978 3 864930577

 

Cover Zeit der Strategen 6. Mai 2018: "Wie Jogi Löw und Co. den Fußball neu denken"

Die letzten Spieltage der Bundesliga-Saison 2017/18 laufen und die WM in Russland steht vor der Tür. Es gibt noch das DFB Pokalspiel und das Champions League Finale zwischen Liverpool und Real Madrid. In diesem Finale spielen die Teams von zwei der derzeit weltweit bekanntesten Trainer gegeneinander. Beide sind sehr unterschiedlich, aber sehr erfolgreich: Jürgen Klopp, der "Vollgasfußball" erst beim BVB, jetzt bei Liverpool predigt und als einer der besten Strategen gilt und Zinédine Zidane, der einer der weltbesten Fußballer war und nicht als Stratege gilt, aber als Trainer ein Team aus individualistischen Alleskönnern geformt, konditionell in Schuss gebracht und durch die richtige Motivation noch besser gemacht hat.

Was für eine Bedeutung Trainer und deren Strategien für den Fußball der letzten Jahre hatten und für dessen Zukunft haben werden, macht der renommierte Fußball- und vor allem Fußballtaktikexperte Tobias Escher auf anschauliche Weise deutlich. Fußball ist auf dem Platz. Aber während die Spieler vor zwanzig Jahren sieben bis acht Kilometer pro Spiel liefen, sind es heute vierzehn Kilometer oder noch mehr. Der Fußball ist athletischer geworden, schneller und durchdachter. Durch die Professionalisierung des Fußballs wird heute mehr in die Nachwuchsarbeit investiert und technische Innovationen und effektivere Trainingsmethoden genutzt. Spieler lernen bereits in der Jugend verschiedene Systeme kennen und haben ein besseres Verständnis für taktische Fragen.

Aber am Ende entscheidet der Trainer, wie eine Mannschaft spielt, wie sie trainiert und welche Taktik sie umsetzt. Heute muss ein Trainer Mannschaftsführer, Lehrer, Taktikfuchs, Psychologe, Physiotherapeut, Experte in der sich ständig weiter entwickelnde Trainingswissenschaft und abgebrühter Medienprofi sein. Ein guter Trainer macht heute den Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer sehr guten Mannschaft.

Tobias Escher stellt elf der bedeutendsten Trainer der letzten Jahre, ihre Trainingsmethoden, Spielphilosophie, aber auch deren Werdegang vor. Zwar konnte er mit keinem der präsentierten Trainer persönliche Interviews führen, aber trotzdem gewinnt der Leser ein Gefühl dafür, für was diese Trainer stehen und was für Persönlichkeiten sie sind.

Einige der Trainer kennt fast jeder: José Mourinho, Pep Guardiola, Jürgen Klopp, Jogi Löw, Thomas Tuchel, Julian Nagelsmann und Zinédine Zidane. Weniger bekannt sind Antonio Conte, Maurizio Sarri und Peter Bosz. Und fast niemand in Deutschland kennt den argentinischen Trainer Marcelo Bielsa, der aber Vorbild fast aller hier aufgeführten Trainer ist.

Neben den strategischen Entwicklungen kommen auch kleine Anekdoten nicht zu kurz, so z.B. dass Guardiola und Klopp als einzige der elf Trainer die Umkleidekabinen der Spieler nicht vor dem Spiel betreten, um ihnen den nötigen Freiraum zu lassen.

Natürlich ist die Trainerauswahl willkürlich, es fehlt z.B. ein Johan Cruyff. Aber dieses Buch gibt einen lesenswerten Überblick über den aktuellen Stand des Fußballtrainings und die vielfältigen Strategieansätze. Und vor allem über die wichtigsten Wegbereiter des heutigen schnellen Fußballs.

Und eine Aussage von Nico Kovac macht eine weitere Veränderung des Fußballs deutlich: Während es früher den Assistenten, einen Torwarttrainer und einen Physiotherapeuten gab, sind heute in Frankfurt etwa zwanzig Leute im Stab: Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Yogalehrer etc.

Tobias Escher bietet eine schöne Einführung in Taktiken und Strategien der bekanntesten Trainer. Und das Kapitel über Jogi Löw ist natürlich auch eine prima WM-Vorbereitung!

Bibliografie

Tobias Escher:
"Die Zeit der Strategen"
Rowohlt Taschenbuch
288 S., 12,99 Euro
ISBN 978-3-499-63307-2

Piper Gebrauchsanweisung Fussball 8. April 2018: "Alles über 'Die Mannschaft'"

Voraussichtlich wird Bayern München schon diese Woche deutscher Meister 2018. Spannung besteht in der Bundesliga nur noch beim Kampf gegen den Abstieg. Umso mehr steigt die Vorfreude auf die WM. Die Erwartungen sind groß. Weniger als der Einzug ins Finale scheint für viele Fans nicht vorstellbar.

Wie die Chancen der "Mannschaft" auf den fünften Stern stehen, welchen Weg die Nationalmannschaft in den letzten Jahren genommen und welche Bedeutung sie gewonnen hat, beschreibt der Fußballexperte und FAZ Sportredakteur Michael Horeni. Seit bereits 18 Jahren ist er der zuständige Sportredakteur für die Nationalmannschaft und hat aktuell die Mannschaft bei den letzten Spielen gegen Brasilien und Spanien begleitet.

Aber nicht nur sein Hintergrundwissen und seine Fachkenntnis zeichnen dieses Buch aus. Durch die Integration persönlicher Erlebnisse als Fan der Nationalmannschaft werden auch die Veränderungen in der Gesellschaft zum Fußball und mit dem Fußball deutlich.

Den Anfang macht dabei die Schilderung, wie er als Neunjähriger die WM 1974 im Wohnzimmer am Fernseher mit der Familie erlebt hat und danach im Italien-Urlaub als "WM-Sieger" auftreten konnte. 1982 war seine Begeisterung für die Nationalmannschaft der Verachtung gewichen und heute bezeichnet er diese Zeit als die Rüpel- und Flegeljahre der Nationalmannschaft, in der der Torwart Toni Schumacher bei der WM 1982 den Spieler Battiston niederrammte.

Seit 2000 war Horeni als Redakteur immer dabei und erlebte die Debatten um einen "Leitwolf", die schwierigen Zeiten eines Trainers Klinsmann vor dem WM 2006 mit seinen neuen, für den DFB damals schwer vermittelbaren Trainingstechniken und das folgende Sommermärchen 2006, das Deutschland nicht nur im Fußball sondern auch im nationalen Selbstverständnis eine Leichtigkeit vermittelte und im Ausland das Deutschlandbild positiv veränderte. Die "Ära Löw" begleitet und beurteilt er anhand dessen Strategien, Aufstellungen und Einstellungen, die die deutsche Mannschaft immer weiterentwickelte bis hin zum WM Titel 2014. Und die Entwicklung geht weiter mit großen Erwartungen für die WM 2018.

Lebendig wird es, wenn Horeni über die Interviews mit einzelnen Spielern berichtet, so von den elf Minuten mit Lukas Podolski beim Confederation Cup 2005, das er als "journalistischen Alptraum" bezeichnete, da auf jede der 27 Fragen immer eine sehr kurze Antwort folgte. Heute sagt er, das Lukas Podolski immer authentisch ist: er klang schon am ersten Tag im Interview so, wie er tatsächlich immer war.

Natürlich geht er auch auf die aktuellen Spieler der "Mannschaft" ein, z.B. über die Entwicklung eines Joshua Kimmichs oder Timo Werner.

Seinen persönlichen Höhepunkt als Fan bei der WM 2006 beschreibt Horeni dann am Ende seines Buches. Aber das sollten Sie selber lesen ...

Für jeden Fan der "Mannschaft" ist dieses Buch absolut lesenswert, Sie erhalten nicht nur Fachwissen, sondern auch spannende Geschichten rund um die Spieler, Trainer und Fans und sind damit bestens "eingespielt" auf die WM 2018 in Russland.

Bibliografie

Michael Horeni:
"Gebrauchsanweisung für die Fußball-Nationalmannschaft"
Piper
224 S., 15 Euro
ISBN 978-3-492-27712-9

Russkij Futbol9783730703953 cover 4. März 2018: "Spielzeuge in den Händen von Oligarchen"

Im Vorfeld der WM in Russland wird viel über den Dopingskandal, russische Hooligans und die Wahl in Russland geredet. Kaum ein Wort fällt aber über den russischen Fußball.

Jetzt gibt es – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Lesebuch, das einen Einblick in die weithin unbekannte Tradition und Kultur des russischen Fußballs gibt: "Russkij Futbol". In einzelnen Geschichten werfen renommierte Autoren Schlaglichter auf ausgesuchte Facetten und bieten dadurch einen Einblick in die russische "Fußballseele".

1912 wurde der allrussische Sportverband gegründet. Kurz danach gab es dann auch die größte Niederlage einer russischen Mannschaft: Eine Auswahlmannschaft wurde zu den Olympischen Spielen nach Stockholm gesandt und verlor dort gegen das deutsche Team 0:16. Aber der Rasensport fand trotzdem in Russland schnell mehr Anhänger. Erst 1936 erhielt die UDSSR eine Nationalliga und 1946 trat die Sowjetunion dann der FIFA bei.

Thomas Urban beschreibt in seiner Geschichte über Nikolai Starostin exemplarisch die Situation des Fußballs in der Stalinzeit und danach. Nikolai Starostin wird heute noch als Übervater von Spartak Moskau verehrt. In den 30er Jahren gerieten er und seine drei Brüder, die ebenfalls für Spartak antraten, in das Räderwerk der Politik – weil sie zu gut Fußball spielten. Denn sie schlugen Clubs, deren Präsidenten ganz oben in der Hierarchie der Kommunistischen Partei standen. Alle vier Brüder wurden 1942 als Mitglieder einer "Antisowjetischen Gruppe" zu je zehn Jahren Lager verurteilt, der Staat konfiszierte ihr Eigentum. Dank ihrer Berühmtheit überlebten die Brüder den GULAG. Nach dem Tod Stalins wurden die Starostin Brüder 1954 rehabilitiert und Nikolai Starostin Sportdirektor bei Spartak und schließlich Vereinspräsident.

Und wie Fußballspiele die Diplomatie beeinflusst haben, beschreibt Matthias Kneifl. 1955 traf mitten im Kalten Krieg im Dinamo Stadion die Mannschaft der Sowjetunion auf die Auswahl des Deutschen Fußballbundes (DFB) aus der Bundesrepublik. Zwischen Bonn und Moskau gab es noch nicht einmal diplomatische Beziehungen. Kurz darauf reiste aber Adenauer nach Moskau. Russland gewann 3:2. Das Fußballspiel wurde so zum Auftakt einer Annäherung von Sowjetunion und Bundesrepublik.

Heute sind in Russland die Fußballclubs oft teure Spielzeuge in den Händen von Oligarchen, Staatsunternehmen oder Machthabern wohlhabender Regionen. In Russland gibt es nicht einen Club der sich selbst tragen kann. Es fehlt an effektiver Nachwuchsförderung. Zudem gibt es die Probleme der gewaltbereiten Hooligans und ihre Liaison mit der rechtsradikalen Szene – auch wenn sie nur eine Minderheit in der gesamten Fanszene bilden. Aber es gibt auch positive Entwicklungen bei den Fans, so seit 2014 eine Faninitiative "ZSKA Fans gegen Rassismus".

"Russkij Futbol" bietet mit seiner spannenden Einführung in den russischen Fußball schon mal einen Vorgeschmack auf die Fußball-WM in Russland. Und es gibt auch noch 16 wunderbare Farbtafeln der berühmtesten Akteure der russischen Fußballgeschichte. Alles in allem ist Russkij Futbol ein wirklich lesenswertes Lesebuch.

Bibliografie

Stephan Felsberg, Tim Köhler, Martin Brand (Hrsg.):
"Russkij Futbol. Ein Lesebuch"
Die Werkstatt
224 S., 16,90 Euro
ISBN 978-3-7307-0395-3

Heynckes Cover 4. Februar 2018: "Triple-Macher und so viel mehr"

Als der 72-jährige Jupp Heynckes im letzten Oktober von seinem Freund Uli Hoeneß als Ersatz für den entlassenen Trainer Ancelotti zu Bayern geholt wird, ist die Skepsis groß. Doch ab dem ersten Spieltag unter Heynckes verwandelt sich die Skepsis in Bewunderung. Aktuell hat Heynckes mit den Bayern nur ein Spiel verloren, ist wieder unangefochtener Meisterschaftsanwärter und auch im DFB Pokal und in der Champions League sind die Chancen für einen weiteren Titel groß.

Und natürlich gibt es jetzt auch ein Buch über die Legende "Don Jupp". Den beruflichen Lebensweg von Jupp Heynckes als Spieler und Trainer stellt jetzt Christoph Spöcker in "Jupp Heynckes. Die Biografie" dar.

Es geht manchmal unter, dass Jupp Heynckes auch ein herausragender Spieler war. Nicht in diesem Buch. Ausführlich werden die Stationen des Spielers Jupp Heynckes nachgezeichnet. Mit 19 spielt er schon neben Günter Netzer bei Borussia Mönchengladbach unter Hennes Weisweiler. Nach einem dreijährigen Intermezzo bei Hannover kehrte er zurück und wurde Teil der legendären "Fohlen Elf" der siebziger Jahre. Er ist aktuell der drittbeste Bundesligatorjäger nach Gerd Müller und Klaus Fischer. In der deutschen Nationalmannschaft war er von 1967 bis 1975 dabei und Teil der Europameister- und Weltmeisterschaftsmannschaft.

In diesem Buch erfährt man auch, dass es in den 70er Jahren schon junge Trainer gab. Heynckes wurde nach einem Jahr als Assistent von Udo Lattek bereits 1979/80 mit 34 Jahren Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach und blieb acht Jahre, um dann 1987 zu Bayern München zu wechseln.

Detailreich berichtet der Autor über die verschiedenen Vereinsengagements und die Entwicklung, die der Trainer Jupp Heynckes in dieser Zeit nimmt. In Spanien wird er aufgrund seiner Leistungen bei Athletic Bilbao und Teneriffa als "Don Jupp" bewundert. Mit Real Madrid gewinnt er sogar die Champions League. In der Bundesliga läuft es zunächst nicht ganz so erfolgreich, erst bei seinem zweiten Einsatz bei Bayern München und danach in Leverkusen kann er seine Klasse als Trainer beweisen. Die zeigt sich dann besonders beim dritten Bayern-Engagement mit dem Gewinn des Triples. Erstmals holt Heynckes mit den Bayern gleichzeitig Deutsche Meisterschaft, den DFB Pokal und gewinnt die Champions League. Aber Bayern holt Pep Guardiola als Nachfolger und Jupp Heynckes ist darüber "not amused". Er verlässt Bayern als Legende und wird auch noch von der FIFA zum Trainer des Jahres gekürt.

Die menschliche und private Seite von Heynckes zeigt sich, als er seine 2004 an Krebs erkrankte Frau Iris in zwei Jahren Auszeit pflegt.

Jupp Heynckes hat in 50 Jahren Profifußball alles gewonnen: viermal deutscher Meister als Spieler, dreimal als Trainer, DFB Pokalsieger als Profi bei Gladbach und als Trainer bei Bayern, UEFA Pokalsieger als Spieler, zweimal Champions League Sieger als Trainer, Europa- und Weltmeister, mehrfacher Torschützenkönig und Triple-Sieger mit den Bayern. 2016 erhält er noch den Ehrenbürgerring der Stadt Mönchengladbach.

Und noch einmal, mit 72 Jahren, steigt Heynckes als Trainer bei Bayern ein, als Not am Mann ist und Hoeneß, sein Freund, ruft. Und er ist wieder phänomenal erfolgreich. Das Spiel geht weiter…!

Wer sich über Heynckes berufliche Laufbahn informieren will, erhält eine gute Zusammenfassung in diesem Buch.

Bibliografie

Christoph Spöcker:
"Jupp Heynckes. Die Biografie"
riva
176 S., 17,99 Euro
ISBN 9783742305824

  Netz 7. Januar 2018: "Aus der Welt der Fußballer-Eltern"

Noch ist die Bundesliga in der Winterpause. Daher starte ich das Jahr mit der Besprechung eines Buches aus der Welt von "Fußballer-Eltern". Susanne Amar ist Autorin und Bloggerin zum Thema Jugendfußball und unterstützt als systemischer Coach heute Fußballer-Eltern und Vereine. Sie beschreibt auf unterhaltsame Weise, wie sich ihre Sicht zum Fußball im Laufe von zehn Jahren als Mutter eines Nachwuchskickers auf dem Weg von der Fußballschule bis zum Leistungszentrum veränderte. Als Handbuch für Eltern, Trainer und Betreuer gedacht, gibt "Ins Netz gegangen" zugleich einen Überblick über den doch nicht so einfachen "Weg zum Fußballprofi" von der F-Jugend in die B-Jugend Bundesliga.

Susanne Amar outet sich als nicht konventionelle Fußballmutter, die anfangs mit Fußball wenig anfangen konnte. Da ihr Sohn unbedingt Fußball spielen wollte, meldete sie ihn mit sieben Jahren zu einem Probetraining an. Nebenbei erfährt man, dass in Deutschland 2,2 Millionen Jugendliche unter dem Dach des DFB kicken. In den ersten Jahren teilt sie das Los vieler Fußballer-Eltern: Trikots waschen, die Fußball-Kids zum Training und an den Wochenenden zu den Spielen fahren etc. Die Beschreibungen der verschiedenen Eltern-Typen, von Helicopter-Eltern über den Vater, der selber der beste Trainer und Schiedsrichter ist, werden ergänzt durch Anekdoten z.B. über das erste Eigentor ihres Sohnes. Die Begeisterung und der Elan ihres Sohnes für den Fußball führt sie und ihren Mann dazu, ihn auch auf dem weiteren Weg zu unterstützen. Es wird immer schwerer, Schulalltag und Trainingsalltag unter einen Hut zu bringen. Und nicht mit allen Trainern ist Amar zufrieden. Sie bemängelt, dass wenig auf den Einzelnen geachtet wird. Dies ändert sich, als ihr Sohn Joshua mit 14 Jahren in ein Leistungszentrum wechselt.

Er gehört jetzt zu den Talenten, die sich in bester Trainingsumgebung weiterentwickeln sollen. Klar wird, dass Joshua auf viel verzichten muss. Ein großes Risiko sind die Verletzungen. Joshua hat mehrere Muskelverletzungen und muss daher oft aussetzen und danach in die Reha. Neben dem Spagat zwischen Schule und Training kommen jetzt weitere Fragen hinzu. Wieso nehmen Trainerentscheidungen wenig Rücksicht auf die Familie? Und wie gehe ich mit den körperlichen und seelischen Verletzungen des Sohnes um? Amar beschreibt, dass sie die Probleme nur mit einer Art Berater lösen konnte: ein Freund, der früher selber Fußballspieler und danach Trainer war, unterstützt ihren Sohn. Und ein guter Kompromiss zwischen Training und Schule wurde durch den Schulwechsel auf eine Berufskollegschule, die zu den Eliteschulen des Fußballs gehört, möglich.

Amar zeigt die zahlreichen Schwierigkeiten auf, die Eltern auf dem Weg ihres Kindes zum möglichen Fußballprofi begegnen und wie sie und ihr Mann persönlich damit umgegangen sind. Sie lässt nicht unerwähnt, dass Fußball als Mannschaftssport für die Entwicklung ihres Sohnes sehr viel Positives bewirkt hat.

Nicht nur für Eltern von Fußball-Kids ist dieses Buch eine interessante Lektüre über den Werdegang eines möglichen Fußballprofis und den nicht unerheblichen Einfluss der Eltern.

Bibliografie

Susanne Amar:
"Ins Netz gegangen"
Mein Leben mit einem Nachwuchskicker zwischen Schulbank und Torjubel
tredition
312 S., 11,99 Euro
ISBN 978 374395205 8

© tredition

Klopp cover

3. Dezember 2017: "Kloppos Biografie"

Jürgen Klopp ist in der Fußballwelt gerade wieder in aller Munde. Wenn es um einen Nachfolger für den angeschlagenen Dortmunder Trainer Peter Bosz geht, taucht der Name immer wieder auf. Und als aktueller Trainer des FC Liverpool macht er den englischen Fußball für viele deutsche Fußballfans noch interessanter und brachte den FC Liverpool wieder auf die Erfolgsspur und zur Teilnahme an der Champions League Saison 2017/18.

Den bisherigen Lebensweg dieses einzigartigen deutschen Trainers, auch "Kloppo" genannt, von einem  normal begabten Fußballspieler zu "the normal one" − dem Kult-Trainer, der jetzt die Fans des FC Liverpool begeistert, beschreibt der renommierte Sportjournalist Raphael Honigstein. Bereits beim FSV Mainz 05 und vor allem Borussia Dortmund war Jürgen Klopp mehr als ein Trainer und die Vereine wurden von ihm geprägt. Jürgen Klopp ist einfach eine "Marke".

Spannend bereitet Honigstein anhand von Gesprächen mit Wegbegleitern, Freunden und Familie des Trainers die einzelnen Lebensstationen von "Kloppo" auf. Als drittes Kind und einziger Sohn wird er vom sportbesessenen Vater Norbert schon früh mit der Fußballbegeisterung angesteckt. Mit 23 Jahren wird Klopp Profi-Fußballer, der sich durch seine Leidenschaft und Führungsstärke auszeichnet. Ansgar Brinkmann, mit dem er beim damals noch zweitklassigen FSV Mainz 05 spielt, meinte: "Kein Gegenspieler hat mich je so beschimpft wie er. Er brüllte ständig: 'Los, beweg dich'. Du hast am Ende mehr Angst gehabt vor ihm als vor dem Gegenspieler". Aber jeder mochte und akzeptierte Klopp.

Als Mainz dann kurzfristig einen Trainer brauchte, entschied sich der FSV Manager Heidel seinen erfahrenen Führungsspieler als Trainer einzusetzen. Aus der Interimslösung wurde der Kult-Trainer. Klopp schaffte es mit seiner Leidenschaft und seiner Erfahrung, den Verein nach zwei Anläufen im dritten Jahr in die erste Liga zu bringen. Als er sich entschied, zu Borussia Dortmund zu gehen, gab es im Mainzer Anhang viele Abschiedstränen. In den sieben Dortmunder Jahren gelang es ihm, aus einer ganz jungen Mannschaft einen zweimaligen Meister und Deutschen Pokalsieger zu machen und diese "wilde Truppe" ins Champions League-Finale zu führen.

Klopp selber führt seinen Erfolg auf seine Leidenschaft, aber vor allem auch auf die Erfahrungen, die er als Spieler u. a. mit dem damaligen Trainer Wolfgang Frank machte, zurück. Frank war einer der ersten, der neue Spielsysteme andachte. Auch Klopps Sportstudium, das er neben seiner Fußballkarriere absolvierte, hat einen großen Anteil an seinem Erfolg, vor allem die Bereiche Ergotherapie und Psychomotorik – Persönlichkeitsstruktur und Bewegung.

Es gibt viele weitere interessante Aspekte und Geschichten zu Klopp, die Honigstein sehr lesenswert darstellt, so dass man das Buch fast nicht aus der Hand geben will (zumindest als BVB-Fan).

Daher meine eindeutige Meinung zu "Ich mag, wenn's kracht": sehr empfehlenswert!

Bibliografie

Raphael Honigstein:
"Ich mag, wenn's kracht − Jürgen Klopp. Die Biographie"
Ullstein extra
333 S., 20 Euro
ISBN 9783864930553

© Ullstein

Choreo Delius Klasing 6. November 2017: "Kreative Fankunstwerke in den Stadien"

Wenn der Begriff "Fußball-Fankurven" fällt, denken viele an gewaltbereite Hooligans. Dies ist eine sehr einseitige Sicht und Hendrik Buchheister macht das mit dem wunderbar gestalteten Bildband "Choreo" deutlich. Fußball-Fankurven sind heute fast Kunstgalerien, denn die Fan-Choreografien in den Stadien sind an manchen Spieltagen absolut eindrucksvoll.

Fans, insbesondere die Ultras, kreieren seit ungefähr fünfzehn Jahren großartige Fan-Choreografien. In oft sehr zeit- und auch kostenintensiver, aber vor allem kreativer Gemeinschaftsarbeit schaffen sie Meisterwerke für das Stadion. Dabei geht es um Inhalte: Würdigung von Personen, historische Ereignisse aber auch um politische Aussagen.

Hendrik Buchheister hat einige der kreativsten und auch kontroversesten Fan-Choreografien recherchiert und erzählt ihre Geschichten.

Wie Fans sich tief in die Historie einarbeiten, daraus dann eine großartige Fan-Choreografie entsteht und dafür ihr Engagement vom DFB ausgezeichnet wurde, zeigt die Münchner Ultra Gruppe Schickeria. Auf einer Blockfahne – so breit wie ein Sechzehnmeterraum – zeigten sie Kurt Landauer, einen bayrischen Juden, der viermal Präsident des FC Bayern war und von den Nazis verfolgt wurde. Sie wandten sich damit gegen Rassismus, aber brachten auch die Historie um Landauer wieder zum Vorschein. Kritik gegen die Kommerzialisierung des Fußballs demonstrierten die Nürnberger Fans in ihrer Choreografie mit der Vereinslegende Max Morlock: gegen das Stadionsponsoring und für ein "Max-Morlock-Stadion". Und auch Trauerarbeit wird  geleistet: In Wolfsburg verarbeiteten die Fans den Unfalltod des 20-jährigen Spielers Junior Malanda und in Darmstadt wurde von der Identifikationsfigur Jonathan Heimes nach seinem Krebstod durch eine Fan-Choreografie Abschied genommen.

Vor allem geht es aber um die Spiele, ihre Geschichten und natürlich die Anfeuerung der Teams. Dies wurde in zwei großartigen Fan-Choreografien deutlich: In Dortmund wurde beim Champions League Spiel gegen Malaga erstmals ein Trick verwendet, um visuell auch den erscheinenden Spruch "Auf den Spuren des verlorenen Henkelpotts" darzustellen und auf Schalke wurde monumental den "Eurofightern" gehuldigt.

Dieses Buch mit seinen zahlreichen, oft spektakulären Fotos und den vielfältigen spannenden und hintergründigen Geschichten eröffnet neue Sichtweisen auf die Fankultur und ist absolut lesenswert.

Bibliografie

Hendrik Buchheister:
CHOREO − Kunstwerke aus deutschen Fußball-Fankurven
Delius Klasing Verlag
29,90 Euro
ISBN 978-3-667-11052 7

© Delius Klasing

Wenn Fussball Schule macht.jpg.2143333 1. Oktober 2017: "Vom Fußballprofi zum Lehrer

Aktuell wird über Fußball-Millionäre und gewaltige Ablösesummen geredet. Aber es gibt auch erfolgreiche Fußballer, die nach ihrer Fußball-Laufbahn zurück in die normale Arbeitswelt gehen müssen. Einer von ihnen ist Knut Reinhardt. Mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen gewann er die Champions League, den UEFA Pokal und die Deutsche Meisterschaft. Nachdem er seine Karriere wegen einer Knieverletzung beenden musste, startete er ein neues Leben, studierte und wurde Lehrer.

Seine Fußballkarriere und seine erfolgreiche Arbeit als Lehrer beschreibt Knut Reinhard in seinem eigenen einfachen und ehrlichen Stil in "Wenn Fußball Schule macht". Schon als kleiner Junge bestimmte Fußball sein Leben und als mäßig guter Schüler hatte er nur die Profi-Karriere im Kopf. Das Abitur schaffte er mit Mühe und Not. Als 19-Jähriger spielte er bereits in der Bundesliga bei Leverkusen und war vor allem in seiner Zeit beim BVB beliebt als Spieler, der kämpft und sich durchsetzt. Dass er aber nie zu den ganz Bekannten gehörte und auch privat Höhen und Tiefen erlebte, gibt er schonungslos preis.

In seinem zweiten Berufsleben findet er den Weg zurück nach Dortmund. Die Härte des Fußballprofi-Geschäfts hat ihn gut vorbereitet auf die nicht so einfache Arbeit als Grundschullehrer. Knut Reinhardt schildert eindrucksvoll, wie die "Bildungswelt" in einer Grundschule im Dortmunder Norden aussieht und wie er auch in schwierigen Situationen aus seiner Erfahrung aus der Fußballwelt profitiert. Teamgeist und Fairness helfen auch im Schulleben weiter. Kinder brauchen Strukturen und auch Wärme. Beides kann Knut Reinhardt geben und findet so in seinem zweiten Berufsleben wieder eine erfüllende Aufgabe. "Ich versuche, die Kinder stark zu machen. Bei mir dürfen sie Fehler machen. Entscheidend ist, dass sie bereit sind, sich anzustrengen."

Eindrucksvoll ist auch, wie Reinhardt die Fußballwelt und das Leben nach dem Fußball bewertet: "Mir ist bewusst, dass ich einer der wenigen bin, denen es gelungen ist, ein Leben nach dem Fußball aufzubauen. Und zwar nicht nur eines nach, sondern auch eines ohne Fußball."

Knut Reinhardt gibt in seinem Buch ehrlich und direkt einen Überblick sowohl über das Leben eines Fußballprofis in den 90er Jahren sowie auch über die Arbeit eines engagierten Lehrers heute.  

Bibliografie:

Knut Reinhardt, Lisa Blitzer:
"Wenn Fußball Schule macht. Mein Weg vom Fußballprofi zum Lehrer"
Edel Germany
240 Seiten, 19,95 EUR
ISBN: 9783841905543

© Edel

Piper Lebenslaenglich Fussball 3. September 2017: "Bei Wind und Wetter auf der Tribüne"

Viel war in den letzten Wochen von gewaltbereiten Fußballfans die Rede. Diese Fans stellen aber nur einen schwindend geringen Anteil an den Fußballfans dar. Mit den 99 Prozent der anderen Fußballanhänger beschäftigt sich "Lebenslänglich Fußball". Manuel Andrack, einigen noch bekannt als Sidekick bei der Harald Schmidt Show, hat sich lange mit dem Thema Fans beschäftigt und mit einer Vielzahl von Fans gesprochen und Spiele gemeinsam erlebt. Daraus ist ein amüsantes Buch entstanden.

Andrack, selber seit Jahrzehnten Fan des 1. FC Köln, stellt die Frage, ob Fans eigentlich "verrückt" sind. Für den Fan ist der Verein eine Herzenssache, es geht um Leidenschaft und Treue. Er diagnostiziert Fan-Sein nach folgenden Symptomen: der Puls geht kurz nach dem Anpfiff hoch, man greift panisch zum Smartphone, um den Live-Kicker zu aktualisieren, nach einer Niederlage greift eine meist zweitägige Depression und bei jedem verpatzten Spielzug verkrampft man, allerdings auch bei einer Chance der gegnerischen Mannschaft. Wenn Sie diese Symptome bei sich wieder erkennen, sind sie ein Fan. Wenn nicht, eher ein Fußballfreund.

In 20 Kapiteln stellt Andrack die verschiedensten Variationen des Fan-Seins dar. Da gibt es den Saarbrücken-Fan, der den Abstieg seiner Mannschaft von der 2. Liga in die Regionalliga-Südwest miterlebte und einen freiwilligen Fan-Entzug durchmachte, aber dann vor Ort beim Spiel seine Leidenschaft für Saarbrücken doch wieder entdeckt. Oder den Fan, der bei Wind und Wetter bei jedem Spiel seiner Mannschaft auf der Tribüne steht.

Auch der "Mecker-Opa" als Fan ist sicherlich einigen bekannt. Seine Mannschaft wird von ihm immer kritisiert. Andrack nutzt als Erklärungshilfe die Einschätzung eines Psychologen. Beim Meckern z.B. ist die Erklärung eine leichte narzistische Störung. Da der Fan nicht mit den Verletzungen durch die Niederlagen seines Vereins klarkommt, steigert er sich hinein in die Wut gegenüber den eigenen Spielern. Und so finden sich psychologische Erklärungen für die vielen Formen des Fan-Sein, vom Magischen Denken über polyamouröse Fans bis hin zu den bereits erwähnten Fußballfreunden.

Fast alles beim Fußballspiel wird bewertet, nur die Bewertung der Fans fehlt. Andrack plädiert für eine Fan-Support Bewertung. Ohne die kreativen Gesänge, die Unterstützung und aber auch den Liebesentzug der Fans wäre Fußball halb so interessant. Ob Sie Fan sind oder nur Fußballfreund – interessantes und amüsantes über Fans finden Sie in "Lebenslänglich Fußball".

Bibliografie:

Manuel Andrack:
"Lebenslänglich Fußball. Vom Wahnsinn, Fan zu sein"
Piper Verlag
256 S., 10 Euro
ISBN 978-3-492-30591-4

© Piper Verlag

Droemer Knaur 978 3 426 30139 5 6. August 2017: "Unvergessene Momente"

Neymar wird für 222 Millionen Ablösesumme nach Paris St. Germain gehen. Fußball ist heute nicht nur die beliebteste und bedeutendste Sportart der Welt, sondern spielt auch wirtschaftlich eine Rolle. Die heutigen Ablösesummen lassen viele Fans an dem Slogan "Elf Freunde sind wir" zweifeln.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Es gibt Fußballspiele und Fußballmomente, die man nicht vergisst, so z. B. die "Hand Gottes" von Maradona im Spiel England gegen Argentinien während der WM 1986. Oder Schweinsteigers "blutiges" Durchhalten im Finale der WM 2014 in Brasilien, in der Deutschland Weltmeister wurde. Neunzig solcher Geschichten, die Fußballspiele geschrieben haben, hat Christian Eichler, Autor und Sportjournalist bei der FAZ, zusammengefasst. Und daraus eine amüsante und sehr informative historische "Fußballspiel-Reise" geschrieben, die vom Verlag als "Bildungsroman des modernen Fußballs" präsentiert wird.

Die Geburtsstunde des heutigen Fußballs schlug 1863 in England. Schon seit dem Mittelalter fanden fußballähnliche Spiele statt. Aber im Jahr 1863 formulierte ein Ebenezer Cobb Morley eine Urform der "Laws of the game". Und von da an startete der Fußball seine Erfolgsgeschichte(n). Natürlich erzählt Eichler auch vom entsprechenden Fußballspiel Barnes FC gegen Richmond 1863.

Aber der Autor geht nicht chronologisch vor, sondern startet seinen Roman mit dem WM Finale in Brasilien und den beiden WM Helden Götze und Schweinsteiger. Unmittelbar danach führt er uns zurück in das Jahr 1950 mit dem Spiel USA gegen England. So springt Eichler mit seinen Geschichten durch die Zeiten, aber auch durch die Hintergründe der Spiele. Die Geschichten handeln von politischen Manipulationen (Argentinien gegen Peru, WM Argentinien 1978), von Wundern ("Wunder von Bern") und von Helden, von der "Hand Gottes" und dem "Wembley Tor". Bei einigen Fußballspielen fallen einem direkt die einzelnen Szenen wieder ein. Bei anderen ist man erstaunt und fasziniert von den Eindrücken dieser bis dahin unbekannten Spiele.

Eichler gelingt es, eine spannende und überaus lesenswerte Ballstafette durch die Fußballgeschichte zu erzählen, die neben der Unterhaltung auch viel Information bietet. Das Buch ist zwar nicht in 90 Minuten zu lesen, aber die Verlängerung ist es auf jeden Fall wert.

Bibliografie

Christian Eichler
"90 − Oder die ganze Geschichte des Fußballs in neunzig Spielen"
Droemer Knaur
512 S., 16,99 Euro
ISBN 978-3-426-30139-5

© Droemer Knaur

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30. Juni 2017: "Der Meistertrainer"

Es läuft gut für Jogi Löw. Beim Confed Cup in Russland steht die deutsche Mannschaft im Finale. Für den Trainer ist dies eine perfekte Vorbereitung für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr. Nach seinem WM-Erfolg 2014 in Brasilien sind die Erwartungen hoch.

Mit großen Erwartungen lernte auch Helmut Schön umzugehen - derzeit noch der erfolgreichste Bundestrainer. Von 1964 bis 1978 trainierte er die deutsche Nationalmannschaft. Als Nachfolger des legendären Sepp Herberger musste er sich erstmal beweisen. Dies gelang ihm eindrucksvoll mit den Titeln bei der EM 1972 und der WM 1974. Seine legendäre Mannschaft um Franz Beckenbauer und Günter Netzer zelebrierte wunderbar schönen Fußball.

Eindrucksvoll ist auch die Biografie von Bernd M. Beyer über den Lebensweg von Helmut Schön. Sorgfältig recherchiert beschreibt Beyer, wie sich der für die damalige Zeit in der Fußballwelt außergewöhnlich feinfühlige Intellektuelle als Fußballer und Trainer durchsetzen konnte. In seiner Jugend wurde Helmut Schön Publikumsliebling beim Dresdner SC und spielte auch in der Nationalmannschaft unter Sepp Herberger. Er erlebte und überlebte die NS-Zeit als Fußballspieler und musste sich danach mit DDR-Funktionären auseinandersetzen. Dies führte zur Flucht nach Westdeutschland. Mit Sepp Herberger verband ihn ein sehr wechselreiches Verhältnis. Als er 1964 nach seiner Assistenzzeit bei Herberger als Nationaltrainer eingesetzt wurde, war der Einfluss von Herberger immer noch groß.

Beyer macht deutlich, wie sich Schön mit seinem eher demokratischen Stil als Trainer auch bei der Spielergeneration der rebellischen siebziger Jahre durchsetzen konnte.

Auf spannende Weise erzählt der Autor anhand des Lebensweges von Helmut Schön auch über fünf Jahrzehnte deutschen Fußballs. Damit gewinnt der Leser nicht nur einen Einblick in das Leben von Helmut Schön, sondern auch in die zahlreichen gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit in Deutschland. Die mehr als 500 Seiten sind nicht nur für Fußballfans absolut lesenswert.

Bibliografie

Bernd M. Beyer:Helmut Schön
Eine Biografie
Verlag die Werkstatt, 544 S., 28 Euro
ISBN 978-3-7307-0316-8

© Verlag die Werkstatt

BuschmannWulzingerFootball 176987 4. Juni 2017: "Schmutzige Geschäfte im Profifußball"

Die Fußballsaison 2016/17 ist gerade zu Ende gegangen. Am 1. Juli beginnt für die Vereine die Transferzeit. Bis zum 31. August können Transfers getätigt werden. Für Nachrichten aus der Fußballwelt ist also auch in der Sommerpause gesorgt.

Fußball hat heute eine gesellschaftliche Bedeutung, die weit über das Spiel hinausragt. Experten schätzen den Wert des Profifußballs alleine in Europa auf 20 Milliarden Euro pro Jahr. Weltweit sollen 2015 4,2 Milliarden Euro für Transfers ausgegeben worden sein.

Dabei ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht immer alles Gold, was glänzt. Im Dezember 2016 brachte der SPIEGEL die erste Enthüllungsgeschichte über die schmutzige und kriminelle Seite des Milliardengeschäfts Fußball. In dem im April 2017 erschienen Buch "Football Leaks" präsentieren die SPIEGEL-Redakteure Rafael Buschmann und Michael Wulzinger die wichtigsten Enthüllungen. Fast wie in einem Krimi werden anhand von neuem, exklusivem Material die Geschäfte von Spielern, Hintermännern und Unternehmen, die am Fußball verdienen, beleuchtet. Im Mittelpunkt dabei steht die packende Geschichte von "John", dem Whistleblower, der den Fußball von mafiösen Einflüssen befreien will – und dabei selber vom Jäger zum Gejagten geworden ist.

Warum er sich in diese Situation gebracht hat, erklärt "John" dem Autor: "Der Sport (Fußball) ist großartig. Er bringt so viele Menschen zusammen, lässt sie gemeinsam feiern und trauern. Wo gibt es das denn noch, dass ein Handwerker etwas mit einem Arzt unternimmt… Das muss der Fußball sich behalten… ich will nicht zulassen, dass dieser Sport von irgendwelchen gierigen Managern zerstört wird."

Rafael Buschmann erlebte einige durchzechte Nächte mit "John", bei denen er ein wenig über den Menschen hinter den "Football Leaks" erfahren konnte. Und am Ende der Treffen auch noch weitere Festplatten mit tausenden neuen Dokumenten erhielt: Insgesamt sind es mehr als 18,6 Millionen Dokumente, die ausgewertet werden können. Zahlreiche dunkle Hintergründe des Fußballbusiness konnten bereits enthüllt werden.

So bezeichnen die Autoren z. B. Doyen Sports als die skrupelloseste Sportfirma der Welt. Eine interessante Anekdote dabei: Einer der Gründer von Doyen Sports, Arif Arif, ist Sohn von Tefik Arif, der in den USA eine Immobilienfirma gründete und in New York mit einem der bekanntesten, gerissensten und umstrittensten Immobilientycoone einen Hotel- und Apartmentkomplex hochzog: mit Donald Trump, dem heutigen US-Präsidenten.

Weitere Einzelheiten über dubiose Machenschaften werden über die Branche der Spielerberater beleuchtet, z. B. über Jorge Mendes, der erfolgreichste Spielerberater der Gegenwart, u. a. von WM-Torschützenkönig James Rodriguez, Jose Mourinho, Pepe und Christiano Ronaldo. Es zeichnet sich dabei ein Bild vom Fußballer als "Leibeigener auf Zeit" ab: keine freie Arztwahl, keine eigenen Klamotten bei öffentlichen Auftritten, Pressekontakte nur nach Absprache mit der Clubführung.

Die Nähe des Fußballs zur Macht und zu den Mächtigen ist groß, die Grenzen zu Politik und Wirtschaft fließend. Mit diesem Buch wird auch die Sommerpause nicht langweilig. Und die Fans können hoffen, dass einige Missstände dadurch entlarvt werden und "Johns" Wunsch zum Erhalt des wahren Werts des Fußballs erfüllt werden kann.

Bibliografie

Ralf Buschmann, Michael Wulzinger
"Football Leaks. Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball"
DVA, 288 S.
16,99 Euro
ISBN  978-3-421-04781-6

© DVA

Jaschin 9783730703311 cover 0 8. Mai 2017: "Der erste moderne Torwart"

Russland wird 2018 Austragungsort der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft. Die Diskussionen dazu sind groß, weniger groß ist aber (in Deutschland) das Wissen über die russische Fußballgeschichte und die Bedeutung des Fußballs in Russland. Auch Lew Jaschin werden nicht sehr viele Fußballfans in Deutschland kennen. Er ist aber bis heute der berühmteste russische Fußballer und hat als bislang einziger Torwart 1963 den Ballon d'Or als "Europas Fußballer des Jahres" erhalten. Er wurde von der FIFA sogar zum Torwart des 20. Jahrhunderts gewählt und gilt als erster moderner Torwart und Vorläufer der Spielart von Manuel Neuer. Und nicht nur in Russland, sondern auch in Brasilien gibt es ein Denkmal für ihn.

Dietrich Schulze-Marmeling versucht diese Wissenslücke zu schließen. Er beschreibt in seinem Buch über den "Löwen von Moskau" nicht nur das Leben des 1929 geborenen Lew Jaschin, sondern gibt auch einen Überblick über die russische und sowjetische Fußballgeschichte. So begann Lew Jaschin seine Karriere eigentlich als Eishockey-Spieler und gewann als Torhüter von Dynamo Moskau 1953 den sowjetischen Pokal, ehe er im folgenden Jahr 1954 – diesmal als Fußballtorwart – mit Dynamo Moskau sowjetischer Fußballmeister wurde. Einer der Gründe war, dass es zu damaligen Zeiten kaum Winterspielplätze für Fußball gab, so dass im Winter Eishockey und im Sommer Fußball gespielt wurde. Nebenbei war Jaschin auch ein hervorragender Schachspieler. Schach galt in der Sowjetunion seit den 20er Jahren als Volkssport. Für seine erfolgreiche Torwartkarriere galt das Antizipieren von Spielzügen – wie beim Schach – als eine der Erfolgsformeln.

Von 1950 bis 1970 spielte Jaschin bei Dynamo Moskau und gewann mit der sowjetischen Fußballnationalmannschaft 1956 olympisches Gold und 1960 die Europameisterschaft. Diese Zeit gilt auch als eine der erfolgreichsten des sowjetischen Fußballs. Schulze-Marmeling beschreibt dabei auch den Einfluss der sowjetischen Politik auf den Fußball sowohl zu Jaschins aktiver Sportlerzeit als auch nach Jaschins Rückzug aus der Fußballwelt und den Umbruch in Russland.
Wer mehr über einen der herausragenden Fußballer des letzten Jahrhunderts aber auch Einblicke in die politischen und sozialen Dimensionen des Fußballs in der früheren Sowjetunion und im heutigen Russland erfahren will, kommt mit diesem Buch voll auf seine Kosten.

Bibliografie

Dietrich Schulze-Marmeling:
"Lew Jaschin − Der Löwe von Moskau"
Verlag Die Werkstatt
Hardcover, 272 Seiten
19,90 Euro
ISBN 978-3-7307-0331-1

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Ballberliebt.jpg.1965661 2. April 2017: "Rückpässe zum Torwart verbieten sich"

Auf der Leipziger Buchmesse entdeckte ich das Buch "Ballverliebt" und seinen Autor und stellte sofort fest, dass dieses Buch für diese Kolumne und als Empfehlung prädestiniert ist: Der Autor, Jochen Schmidt, ist Mitbegründer und immer noch aktiver Spieler der Autorennationalmannschaft, kann also direkt aus seiner Fußballerfahrung berichten. O-Ton: "In meinem Alter ist man als Fußballer schon ein Greis, als Schriftsteller dagegen noch Nachwuchs." Dass Fußball auch Kunst erzeugt, zeigt das Buch mit insgesamt 84 historischen (Moment-)Aufnahmen, die Jochen Raiß über viele Jahre gesammelt hat, viele davon Flohmarktfunde. Und diese teilweise grandiosen Fotos motivieren Jochen Schmidt als Meister der Beschreibung und "Fußballexperte" zu Texten, die in herrlich naiver, teilweiser skurriler Art unterschiedliche Phänomene vor allem aus der Welt des Fußballs freilegen.

Jochen Raiß hat bei der Auswahl der Fotos den "wahren Fußball" − Szenen aus dem Straßen- oder Hinterhoffußball − gesucht und gefunden, voller Leidenschaft und Herzblut, Amateuraufnahmen vom Anfang des letzten Jahrhunderts an. Und Jochen Schmidt findet dazu Geschichten, die auch nicht aus dem Profi-Fußball sondern aus der Sicht eines Fußballfans und Amateurfußballers berichten − und aus dem täglichen Leben. So z. B. in "Mein Leben als zweiter Ball": "Der Torwart, der vor Dienstantritt seinen Strafraum von Feuerzeugen, Bananenschalen und Klopapierrollen freiräumt wie der Hausmeister einen Klassenraum. Und später legt er die Zahl der Spieler in der Mauer fest, mit den Fingern, als würde er eine Runde Bier bestellen... Aber am meisten berührt es mich, wenn ein zweiter Ball aufs Spielfeld rollt. Wie achtlos er dann rausgekickt wird! ... Und dabei ist er identisch beschaffen, nichts unterscheidet die beiden Bälle voneinander. Gibt es ein besseres Bild dafür, wie ungerecht das Leben ist?" Und in "Alte Herren": "Wenn man bei uns einen perfekten Pass in den Raum spielt, macht der Mitspieler keinen Schritt, da er erwartet, dass er den Ball genau in den Fuß gespielt bekommt. ... Rückpässe zum Torwart verbieten sich auch, sie sind zu riskant, da der Torwart zu Stockfehlern neigt."

Dieses wunderschöne poetische Buch verführt zum Schmunzeln, manchmal auch Lachen und ist für Literatur- und Fußballliebhaber bestens geeignet.

Bibliografie

Jochen Raiss, Jochen Schmidt:
"Ballverliebt"
Texte zum Fußball von Jochen Schmidt zu historischen Amateuraufnahmen aus der Sammlung Jochen Raiß
Edel Books
Hardcover 208 Seiten
18,50 Euro
ISBN 978-3-8419-0508-6

© Edel Books

Huub Stevens 5. März 2017: Vier Minuten deutscher Meister

Am 21. Mai findet in der VELTINS-Arena das Abschiedsspiel für den Schalker Jahrhunderttrainer Huub Stevens "20 Jahre Eurofighter – Bedankt Huub!" statt. Huub Stevens beendet seine aktive Trainerkarriere mit dem Rückblick auf den größten internationalen Erfolg als Trainer von Schalke 04: den UEFA-Pokalsieg 1997.

Diesen UEFA-Pokalsieg beschreibt Huub Stevens natürlich auch in seiner gerade erschienen Autobiografie "Niemals aufgeben". In seiner einfachen, geradlinigen Art erzählt er darin nicht nur von seiner Trainerzeit bei Schalke, sondern von seiner gesamten "Fußball-Lebensgeschichte".

Als Sohn eines einfachen Grubenarbeiters in den Niederlanden schaffte er eine beachtliche Fußballerkarriere u. a. beim PSV Eindhoven mit dem Gewinn des UEFA Cups 1978 und mit Einsätzen in der niederländischen Nationalelf. Seine Trainerkarriere startete er mit Roda Kerkrade und wechselte dann zum FC Schalke 04, mit dem er neben dem UEFA-Pokalsieg 1997 auch zweimal den DFB-Pokal holte. Die bei jedem Schalke Fan bekannten "4 Minuten Deutscher Meister" 2001 lässt Huub Stevens in seinem Buch natürlich nicht unerwähnt. Aber auch mit dem HSV und dem 1. FC Köln feierte er große Erfolge und den VFB Stuttgart rettete er zweimal vor dem Abstieg. In Österreich wurde er mit Red Bull Salzburg Meister.

Aber nicht nur im beruflichen Leben ist "Niemals aufgeben" für Huub Stevens wichtig. Seine Frau Toos leidet, wie auch seine Tochter, an Morbus Crohn und kämpfte 2007 um ihr Leben. Wie sehr das Huub Stevens bewegte und sich auch auf seine Trainerkarriere auswirkte, zeigt seine Autobiografie deutlich. Betroffen zeigt er sich auch von der Alzheimer Krankheit seines Freundes Rudi Assauer.

Spannend sind seine Einblicke in den Fußballbetrieb. Raffgierigen Spielerberatern verweigerte er auch schon mal den Zutritt zu den Umkleideräumen der Spieler und über unfähige Vorgesetzte finden sich einige Textpassagen, die auch schon den Weg in die aktuelle Fußballberichterstattung gefunden haben. Diese Autobiografie zeigt das ehrliche Porträt eines auch als "harter Hund" oder "Knurrhahn" bezeichneten meinungsstarken und integren Mannes, auf dem das Attribut "hart aber herzlich" hundertprozentig passt.

Bibliografie:

Huub Stevens
"Niemals aufgeben"
In Zusammenarbeit mit Bert Nederlof
Aus dem Niederländischen von Heike Baryga
Verlag Die Werkstatt
272 S.
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-7307-0333-5
19,90 Euro

© Verlag Die Werkstatt

Asphaltfieber.jpg.1924663 5. Februar 2017: Rund um ein "Käfigfußball"-Turnier

Bei meiner aktuellen Empfehlung handelt es sich um einen Fußballroman für die Zielgruppe der eher jungen Leser. "Asphaltfieber" ist eine gelungene Geschichte über eine Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen 14-jährigen Jungen, die die Leidenschaft für Fußball zusammenbringt.

Dabei gibt das Buch nicht nur Einblick in die Bedeutung, die Fußball für viele Jugendliche hat, sondern auch in deren Lebenswelten, hier speziell in Berlin. Durch die Schilderung der Freundschaft zwischen dem dunkelhäutigen Dany aus einer gut situierten Familie aus Berlin Dahlem und dem blonden Samy aus Neukölln, dessen Mutter Alkoholikerin ist, sowie deren Fußballteam, darunter die beiden Spielerinnen Ayse und Selin, werden zahlreiche aktuelle gesellschaftliche Themen angesprochen. Geschickt werden Vorurteile bloßgestellt, aber auch die Schwierigkeiten gezeigt, sich in einem sozial schwachen Umfeld zu behaupten und weiter zu entwickeln. Die Ereignisse rund um ein großes "Käfigfußball"-Turnier bieten den Rahmen der verschiedenen Erlebnisse der beiden Hauptfiguren Dany und Samy. Und es fehlt auch nicht ein Vorbild und Trainer, der die Jugendlichen nicht nur beim Fußballspielen tatkräftig unterstützt.  

Michael Horeni, als FAZ-Fußballkorrespondent immer "am Ball" des aktuellen Fußballgeschehens, kennt sich in den sozialen Milieus der Jugend-Fußballwelt gut aus, insbesondere in Berlin. Mit seiner Reportage über die Boateng-Brüder hat er schon auf sich aufmerksam gemacht. Die Ähnlichkeit mit der Lebensgeschichte von Jérôme Boateng ist in diesem Buch spürbar. Daher passt auch die persönliche Empfehlung von Nationalspieler Boateng: "Dieses Buch ist für alle, die an ihren Traum glauben".

Bibliografie

Michael Horeni
Asphaltfieber
Baumhaus, 2016
251 Seiten
ISBN: 978-3-8339-0388-5
12,99 Euro

© Baumhaus

Johan Cruyff.jpg.1913454 15. Januar 2017: Genialer Dirigent der Elftal

Eine der wenigen Personen, die nicht nur durch seine spielerische Genialität, sondern auch durch seine Trainertätigkeit zur Legende geworden ist, ist Johan Cruyff. Wenn am 21. Januar wieder die Rückrunde der Bundesligasaison startet, steckt einiges an Einfluss von Johan Cruyff in den Spielen. Er hat mit dynamischem und leidenschaftlichem Angriffsfußball legendäre Erfolge erzielt, sowohl bei Ajax Amsterdam als auch danach beim FC Barcelona. Unvergessen ist in Deutschland das WM Finale von 1974, bei dem Deutschland im Spiel gegen die Niederlande mit 2:1 Weltmeister wurde, aber die Niederlande mit ihrem Spiel während der WM begeisterten.

Mit Johan Cruyff gehörte das Nationalteam Holland zu den Top-Fußballnationen. Als Trainer schaffte er es, den FC Barcelona zu einem der weltbesten Vereine zu formen. Einer seiner damaligen Spieler, Pep Guardiola, eiferte seinem Vorbild nach und baute die Position Barcelonas weiter aus, wobei er selber sagte: "Cruyff baute die Kathedrale. Wir halten sie nur instand." Sicherlich integrierte er die Ideen von Cruyff auch in den drei Jahren als "Top-Top-Trainer" bei Bayern München.

In seiner posthum erschienen Autobiografie beschreibt Johan Cruyff nicht nur sein Leben als leidenschaftlicher Fußballer und taktisch kluger Trainer, sondern auch den Menschen Johan Cruyff. Offen berichtet er über seine menschlichen Enttäuschungen z.B. mit seinem Vorbild und Freund Ruud Michels, der ihm den Job als Nationaltrainer verwehrte. Oder seiner Beinah-Entführung, die zum Verzicht der Teilnahme an der WM 1978 in Argentinien führte. Er kritisiert die Vereinsbosse, denen populäre Namen wichtiger als eine funktionierende Mannschaft sind, und erzählt dazu einige Anekdoten. Wichtig war ihm nach seiner Trainerkarriere aber auch die von ihm gegründete Cruyff Foundation und das Cruyff Institute für eine fundierte Ausbildung von Sportlern und Sportmanagern. Und natürlich kommt auch seine Beziehung zu seiner Frau Dany und zu seinem Sohn Jordi nicht zu kurz.

Insgesamt gibt Cruyff einen tiefen Einblick in die Fußballvereins-Strukturen, Taktiken und Strategien eingebettet in sein Fußball-Leben und bietet damit eine beispielhafte Fußballhistorie von den 70er Jahren bis heute.

Johan Cruyff starb im März 2016, im Stadion Camp-Nou fand dazu eine große Trauerfeier mit vielen Wegbegleitern der Fußball-Legende statt.

Bibliografie

Johan Cruyff
Mein Spiel
Droemer, 2016
336 Seiten
ISBN: 978-3-426-27696-9
19,99 Euro

© Droemer

Stylish Life 4. Dezember 2016: Stilprägende Ballkünstler

Die Fußball-Bundesliga nähert sich der kurzen Winterpause und der 1. FC Bayern ist – zu diesem Zeitpunkt – nicht Tabellenführer. Es bleibt also spannend.

Für die Winterpause – und auch als Weihnachtsgeschenk – bestens geeignet ist das etwas ungewöhnliche Fotobuch "The Stylish Life − Fußball", das bereits im vergangenen Jahr erschienen ist. Fußball ist weit mehr als "das Runde muss ins Eckige". Es wird immer noch gestritten ob Fußball Kultur ist oder was Fußball mit Kultur zu tun hat. In diesem Buch wird es offensichtlich, wie die Verbindung von Hoch- und Popkultur mit Fußball aussieht – z. B. in dem Zusammenspiel von David Beckham und Robbie Williams, Eric Cantona und Giorgio Armani oder Franz Beckenbauer und Prinz William.

Andere Bereiche der "Fußball-Kultur" werden in großartigen Fotos dargestellt: Fast mythische Fußball-Orte – vom Maracana Stadion in Rio über Anfield in Liverpool bis zur "gelben Wand" im Signal Iduna Stadion in Dortmund.

Arsene Wenger hat einmal gesagt: "Fußball ist Kreativität. Fußball ist Kunst." Kunstformen wie Filme, Fotos, Illustrationen, Gemälde, Skulpturen rund um den Fußball finden sich in diesem Buch. Und was Fußball mit Mode verbindet, sieht man nicht erst seit Ronaldos Kollektionen, bereits Netzer war ein Mode-Trendsetter. Aufnahmen zur Historie der Fußball-Trikots zeigen den Einfluss von Modetrends auf die Gestaltung der Team-Bekleidung.

Natürlich nicht zu vergessen sind die Akteure des Fußballs selbst: zu sehen sind die "Fußballer-Typen": von Pele, George Best, Beckenbauer, Maradonna über Ibrahimovic, Messi bis hin zu Ribery und Neymar und natürlich noch einige mehr.

Unterhaltende "Bildunterschriften" liefert Ben Redelings, Fußballkomiker, Bestsellerautor und Filmemacher. Und die einführenden Texte wurden von Jessica Kastrop, Fußballmoderatorin und eines der bekanntesten Gesichter vom TV Sender Sky verfasst.

Wer neben der Leidenschaft für den Fußball auch noch die modischen Kapriolen der Fußballstars, den Glamour, die Stadien und die Fans in grandiosen Fotos sehen möchte, findet das in diesem Buch. Und noch am Rande: Der Text ist in Deutsch und Französisch. Eine schöne Weihnachtszeit...

Bibliografie:

The Stylish Life − Fußball
Texte von Jessica Kastrop und Ben Redelings
teNeues, 2015
176 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
127 Farb- und 53 Schwarz-Weiß-Fotografien
Text in Deutsch/Französisch
ISBN Deutsche Version: 978-3-8327-3223-3
39,90 Euro

© teNeues

Echte Liebe cover 6. November 2016: Echte Liebe

BVB Fans wissen natürlich, dass es sich bei dem Titel „Echte Liebe“ um keine Liebesnovelle handelt. Es geht in diesem Buch um das spektakuläre Comeback des BVB, das von „Echter Liebe“ getragen wird. Dieses eigentliche Sachbuch liest sich wie ein Wirtschaftskrimi mit einer Beinahe-Pleite, Akteuren wie Zockern, Hedgefonds, guten und schlechten Investoren und einer einzigartigen Marketingidee. Daneben ist es auch eine emotionale Dokumentation über den sportlichen Auf- und Abstieg und das phänomenale Comeback, fast wie das „Sommermärchen“ mit einem „weißen Ritter“ natürlich in Form von Jürgen Klopp und der Tafelrunde aus Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc, Thomas Treß und dem dreifachen Retter Reinhard Rauball sowie den einzigartigen Fans, insbesondere die aus der Südkurve.

Geschrieben haben das Buch die Brüder Sascha Fligge, Direktor Kommunikation beim BVB, besser bekannt als der Pressesprecher bei den BVB Pressekonferenzen, und sein Bruder Frank Fligge, Kommunikationsberater, Moderator und Autor. Beide sind bestens vernetzt in die Innenwelten des BVB.

Die Autoren liefern neben exklusiven Fakten, Anekdoten und Hinterzimmer-Geschichten auch ungewöhnliche Einblicke hinter die Kulissen des Vereins. Und lassen in Gastbeiträgen schwarzgelbe Ikonen wie dede und Sebastian Kehl zu Wort kommen und natürlich auch Jürgen Klopp, der in einem langen Interview über Niederlagen, große Erfolge und wunderbare Momente bis zum verflixten siebten Jahr spricht. Aber auch wirtschaftliche Entscheidungsträger und Unterstützer wie z. B. Evonik Vorstandsvorsitzender Klaus Engel kommentieren ihren Einsatz.

Dieses Buch ist nicht nur für BVB Fans lesenswert. Es bietet einen Einblick in die wirtschaftlichen Aspekte von Fußballvereinen und wie ein gutes und beständiges Management zum Erfolg führen kann. Und natürlich genügend Lesestoff, um beim nächsten Fußballabend zu glänzen. Leider fehlt noch die Anekdote über Aubameyangs Ausflug nach Mailand.....

Bibliografie:

Sascha Fligge, Frank Fligge
Echte Liebe. Das spektakuläre Comeback des BVB
Econ Verlag
16,99 Euro
ISBN-13 9783430202084

© Econ Verlag
 

im herzen von europa web neu 2. Oktober 2016: Clubs im Comicformat

Nach dem dem fünften Bundesliga-Spieltag (der sechste steht beim Verfassen dieses Textes noch bevor) befand sich unter den ersten Fünf der Tabelle neben dem üblichen Tabellenführer Bayern München auch Eintracht Frankfurt. Beide Mannschaften haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden von bekannten Comiczeichnern auf unterschiedliche Art und Weise in zwei aktuellen Büchern amüsant betrachtet.

Ich beginne mit der "Heimmannschaft" Eintracht Frankfurt. Seit vier Spielzeiten begleitet der Autor und Karikaturist Michael Apitz jedes Spiel seines Teams in der "Frankfurter Rundschau" mit einer spitzfindigen Comic-Kolumne. Jetzt wurden die Schönsten davon in dem Buch "Im Herzen von Europa. Eintracht Frankfurt-Comics" zusammengefasst. Wenn Sie kurz vorm nächsten Spiel gute Laune bekommen möchten, schauen Sie sich die ereignisreichen letzten Spielzeiten mit hitzigen Duellen, Trainerwechseln und dem unvermeidlichen "Fußballgott" Alex Meier mit den Augen des Karikaturisten an. Ihm entgeht weder die leicht ungläubige Freude im Gesicht von Aiges Aigner noch die hechelnde Gier nach dem Ball bei "Haris" Severovic. Ein "Muss" für den Eintracht-Fan, aber auch ein großes Lesevergnügen für alle Fußballinteressierten.

Bayern Story Geschichte "light" bietet das andere Comic-Buch "Die Bayern Story". Comiczeichner Sascha Dreyer zeichnet den Werdegang des Vereins Bayern München von der Gründung 1900 bis heute in 28 historisch exakten und witzig gestalteten Comic-Episoden. In schwarz-weiß erscheinen die Jahre bis 1947, die u. a. Martin Landauer darstellen. Farbig folgen dann die vielen Hoch- und wenigen Tiefphasen des Clubs, bei denen natürlich Fußballidole wie der "Bomber" Gerd Müller, der "Kaiser" Franz Beckenbauer, "Katsche" Schwarzenbeck, aber auch die aktuellen Helden wie Philipp Lahm und das Schlitzohr Thomas Müller, sowie geniale und seltsame Trainer, z. B. Trapattoni, treffend gezeichnet werden. Auch der Abschied von Guardiola und der Begriff der "Superbayern" kommt nicht zu kurz. Wer sich teils schmunzelnd, teils staunend in kurzer Zeit über die Geschichte des Vereins informieren möchte, liegt mit diesem Buch genau richtig.

Wenn Sie mal Lust auf Fußball-Comics haben, stehen Ihnen damit zwei gute Titel zur Auswahl: Ob Bayern- oder Eintracht-Fan und ob Sie wirklich witzige Anekdoten oder Geschichte "light" in Comic-Strips bevorzugen, ist dann Ihre Entscheidung.

Bibliografie:

Michael Apitz:
"Im Herzen von Europa"
Eintracht Frankfurt-Comics
Societäts Verlag
14,80 Euro
ISBN: 978-3-9554-2189-2

Sascha Dreier:
"Die Bayern-Story"
Ein Geschichts-Comic
Verlag Die Werkstatt
16,90 Euro
ISBN: 978-3-7307-0281-9

© Societäts Verlag / Verlag Die Werkstatt

Vollgasfussball Verlag Die Werkstatt 4. September 2016: Vollgas-Fußball. Die Fußballphilosophie des Jürgen Klopp (Verlag Die Werkstatt)

In Deutschland ist das Interesse an Spielen des FC Liverpool unter Fußballfans gestiegen. Der Grund: Jürgen Klopp. Einer der bekanntesten deutschen Trainer, der den BVB Dortmund wieder in die Spitzengruppe der deutschen Bundesliga geführt hat, ist auch in Liverpool eine emotionale Führungsfigur. Mit seinen leidenschaftlichen Auftritten sowohl am Spielfeldrand wie auch in Interviews, ist er nicht nur ein erfolgreicher Trainer, sondern auch ein Publikumsliebling in Deutschland und England – natürlich nicht für alle Fans.

Die Erklärung des „Phänomens“ Jürgen Klopp und dessen Fußballphilosophie ist aber nicht nur für BVB und Liverpool Fans lesenswert. Der Sportjournalist, Taktikexperte und Protagonist der bekannten Taktikseite „Spieleverlagerung.de“, Martin Rafelt, hat die Klopp'sche Theorie und Praxis des Fußballs analysiert und sie anhand der Entwicklung von 2008 beim Start des Trainers Jürgen Klopp beim BVB bis zu dessen Wechsel nach Liverpool 2015 in seinem Buch dargestellt. Dabei werden sowohl Schlüsselspiele wie z. B. das Champions League Finale 2013 oder das Europa-League-Duell Liverpool gegen Dortmund 2016 sowie einzelne Spielerporträts aber auch 60 Diagramme genutzt, um den „Vollgasfußball“ von Jürgen Klopp zu veranschaulichen.  

Jürgen Klopp ist laut Rafelt ein autodidaktischer Perfektionist – eigenständig, kreativ und visionär. Er schafft es, die Brücke zwischen Rationalität, Emotionalität und Intuition schlagen zu können. Aber sein Erfolg wäre undenkbar ohne seine Mitstreiter Peter Krawietz und Zeljko Buvac. Klopp ist das mediale Gesicht eines Triumvirats – mit seinem Charisma, seiner Energie und geschickter Psychologie. Seit 2008 als Trainer beim BVB hat er mit seiner damals neuen Idee des „Gegenpressing“ den BVB Dortmund 2011 zur deutschen Meisterschaft, 2012 zum Double und 2013 ins Champions-League Finale geführt.

Aus heutiger Sicht ist der strategische Vorsprung Klopps auf die restliche Fußballwelt geschrumpft. In England kann er noch auftrumpfen, doch in Deutschland gehört aktives Verteidigen inzwischen zum guten Ton.  Und in diesem Jahr kann sich Klopp auch in England wieder mit seinen Rivalen, dem  anderen Top-Trainer, Pep Guardiola, messen.

Diese gut lesbare und inhaltsreiche Taktikbiographie bietet nicht nur dem Taktiknerd sondern auch einem breiten Publikum einen Einblick in die Fußballwelt eines Trainergenies.  

Bibliographie:

Martin Rafelt
Vollgasfußball
Die Fußballphilosophie des Jürgen Klopp
176 Seiten
ISBN 978–3-7307-0252-9
Verlag Die Werkstatt
Preis. 19,90 Euro

© Verlag Die Werkstatt

Cover Werkstatt EM web 7. August 2016: Euro 2016 – Das Turnier (Verlag Die Werkstatt)

Vor gut einem Monat wurde Portugal Europameister und Ronaldo selbst als verletzter "Co-Trainer" seines Teams noch zum Pokalgewinner. Für Fußballfans geht es diese Woche wieder mit der 2. Bundesliga los und ab 26. August mit der Bundesliga. Und natürlich sind da für alle anderen Sportfans ja auch noch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

Wer sich aber an die bisher teilnehmerstärkste EM mit 24 Teams in unserem Nachbarland Frankreich erinnern und die Highlights bildlich nacherleben möchte, dem kann ich das jetzt im Werkstatt Verlag erschienene großformatige Werk "Euro 2016 – das Turnier" nur empfehlen.

Nicht nur Spiele und Spieler, sondern auch das Fußballfest der Fans werden noch mal präsentiert. Was wäre die EM 2016 ohne die Iren, Waliser und natürlich Isländer gewesen, vor allem ohne deren Fans. Wie diese kleinen Nationen der EM ihren Stempel aufgedrückt haben, war schon erstaunlich. Wer wird den Iren-Fansong "Will Griggs's on fire" nicht mit der EM in Verbindung bringen sowie auch den "huhu" Schlachtgesang der Isländer, der dann auch just von den Franzosen kopiert wurde.

Der Turnierverlauf wird in großartigen Fotos und knackigen Texten dargestellt: die – nicht immer – spannenden Spiele, dramatische Elfmeterschießen und Sorgen und Nöte der Trainer. Ausnahmespieler werden noch mal in Szene gesetzt: Gareth Bale, der sein Team mit einer großartigen Leistung ins Halbfinale führte, Jérôme Boateng, der das deutsche Team bärenstark verteidigte, Antoine Griezmann, der Deutschland aus dem Turnier schoss, Islands Kapitän Arin Gunnarsson, der die Engländer mit seinen "Wikingern" besiegte und natürlich Ronaldo, der auch verletzt noch am Europapokalsieg der Portugiesen Anteil hatte.

Die Autoren des Buches, die renommierten Sportjournalisten Ulrich Kühne-Hellmessen und Detlef Vetten, lassen aber auch den kommerziellen Aspekt der EM anklingen: Alleine der Preis für die weltweite TV-Vermarktung beträgt etwa eine Milliarde Euro. Die UEFA verdient an der EM rund 830 Millionen Euro. Und die EM spielte der französischen Wirtschaft auch noch bis 1.3 Milliarden Euro ein. Verschwiegen wird auch nicht das anfängliche Unbehagen zur EM durch die Terrorgefahr und die Fanschlägereien zwischen Briten und Russen.

Und zu guter Letzt stehen für alle Statistikfreunde vom deutschen Euro-Aufgebot bis zur ewigen EM-Tabelle auf 20 Seiten ausführliche Statistiken zur Auswahl.

Wer das EM-Turnier noch mal nacherleben möchte, findet in diesem Buch ein stimmiges Gesamtbild der EM.

Bibliografie:

Uwe Kühne-Hellmessen, Detlef Vetten:
Euro 2016 – Das Turnier
Werkstatt Verlag
16,90 Euro
ISBN 978-3-7307-0245-1

© Verlag Die Werkstatt

Carlo Ancelotti16. Juli 2016: "Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt" (Knaus)

Portugal ist Fußball-Europameister. Ronaldo hat seinen Traum verwirklicht und für sein Land endlich einen Titel geholt. Titel hat er in seiner Mannschaft Real Madrid schon oft gewonnen, vier Titel innerhalb von zwei Jahren. 2013/14 unter dem von ihm hoch geachteten Trainer Carlo Ancelotti. Genau der Trainer, der in der kommenden Bundesliga-Saison die Stelle von Pep Guardiola bei Bayern München übernehmen wird. Und von diesem italienischen „Gentleman“-Coach, unterstützt von seinen beiden Ko-Autoren Chris Brady und Mike Forde, gibt es jetzt eine Biografie, die seine Führungsphilosophie in den Mittelpunkt stellt: „Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt“

Ancelotti gilt nicht nur als einer der erfolgreichsten, sondern auch als einer der meistrespektierten Trainer. Seine ruhige und zurückhaltende Führung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und bei der er sein Team als Familie sieht, ist im Fußball-Business besonders. „Ich glaube, dass eine Führungskraft nicht herumbrüllen oder mit eiserner Faust regieren muss… Es sollte sonnenklar sein, wer das Sagen hat – aber diese Einsicht muss das Ergebnis von Respekt und Vertrauen sein und nicht von Angst, “ erklärt Ancelotti.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass auch von Ancelotti trainierte Fußballstars zu Wort kommen: u. a. Toni Kroos, David Beckham, Zlatan Ibrahimovic und John Terry, aber auch Trainerlegende Sir Alex Ferguson geben ihr Urteil ab. Und natürlich Ronaldo, der Ancelotti für einen der besten Trainer hält: „Er ist sehr bescheiden, was im Fußballgeschäft so normal nicht ist… Er ist ein intelligenter Trainer, weil er sich um dich kümmert und das Beste für dich will.“

Die Beschreibung seines Trainer-Lebenslaufes mit den vielen Erfolgen, aber auch Niederlagen, zeigt nicht nur seine positive Führungsphilosophie, sondern auch die Härte des professionellen Fußballgeschäfts. Und wie man es schafft, die Leidenschaft für den Fußball und die Empathie für den Fußballer als Menschen trotz Erfolgsdruck immer weiter brennen zu lassen.

Und Ancelottis Führungsphilosophie können wir nicht nur in diesem Buch nachlesen, sondern ab August auch in der Bundesliga mit dem FC Bayern erleben.

Bibliografie:
Carlo Ancelotti
Mit Christ Brady und Mike Forde
Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt
Knaus Verlag
ISBN 9783813507522

© Knaus

Cover Diogenes 9. Juli 2016: "Nicht schon wieder keine Tore" (Diogenes)

Vorbei! Der EM-Gastgeber Frankreich hat zwei Tore geschossen und spielt jetzt im Finale. Deutschland hat wieder mal seine Torchancen nicht verwerten können und fährt nach Hause. Selbst Müller hat entgegen seiner Torquote in den vorigen Turnieren keinen Ball ins Tor gekriegt. Daher entspricht der Titel meiner Empfehlung wohl auch dem Gefühl vieler deutscher Fußballfans: „Nicht schon wieder keine Tore“

Aber die von Winfried Stephan hervorragend zusammengestellte Geschichten- und Gedichte-Sammlung rund um den Fußball kann die vermutlich doch etwas düstere Stimmung vieler Fans aufhellen mit seinen vielen amüsanten kleinen Geschichten, die die Vielfalt der Gefühle beim Fußball zum Vorschein bringen.

So erzählen die deutschen Fußballlegenden Paul Breitner und Sepp Maier persönliche Anekdoten und Tim Jürgens und Philipp Köster berichten über „Dantes Tragödie“ beim 7:1 der Deutschen in Brasilien. Aber auch Kurzgeschichten von Literaten wie Günter Grass, Walter Jens und Bertold Brecht sind dabei. Und natürlich fehlen auch nicht die Autoren, die nicht nur theoretisch über Fußball schreiben, sondern auch praktisch in der deutschen Autorennationalmannschaft den Ball spielen, wie z. B. Moritz Rinke und Benedict Wells.

Neues und Altes, Kurioses und Nachdenkliches – wählen Sie einfach aus der Vielfalt der Welt rund um den Fußball aus. Und einige Geschichten zaubern einem doch ein Lächeln ins Gesicht – es ist eben Fußball!
Und nach der EM ist vor der WM.


Bibliografie:

Winfried Stefan (Hrsg.):
Nicht schon wieder keine Tore
Geschichten und Gedichte rund um den Fußball
Diogenes Verlag
288 Seiten
10 Euro

© Diogenes

Cover Ullstein 2502. Juli 2016: "Der vierte Stern. Wie sich der deutsche Fußball neu erfand" (Ullstein Taschenbuch Verlag)

Es wird spannend. Für den Einzug ins Halbfinale muss Deutschland jetzt gegen seinen "Angstgegner" Italien einen Sieg erzielen. (Beim Schreiben dieses Artikels ist der Spielausgang noch offen.) Deutschland, Weltmeister von 2014, gehört zu den Favoriten dieser EM. Und das Spiel gegen die Slowakei hat gezeigt, dass das deutsche Team technisch und spielerisch dieser Rolle gerecht wird. Dies war nicht immer so. 2004 schied Deutschland bei der EM nach teils desaströsen Auftritten bereits in der Vorrunde aus. Dann begann ein Umdenken. Was damals geschah und wie es zum (Wieder-)Aufstieg der deutschen Nationalmannschaft kam, erzählt der Journalist und Fußballexperte Raphael Honigstein in einer brillanten und spannend zu lesenden Analyse – seinem Buch "Der vierte Stern".

Der Weg vom Rumpelfußball der frühen 2000er Jahre über das Sommermärchen 2006 bis zum Gewinn der WM in Brasilien 2014 war kein leichter. Im Vorfeld der WM 2006 wurde Klinsmann teils belächelt über die neuen Trainingsmethoden und den Stellenwert von Taktik, Fitness, Ernährung und Psychologie. Und der Weg zur effizienten Nachwuchsförderung wurde durch den Bankrott der Kirch-Mediengruppe geebnet: Mangels Einnahmen über TV-Gelder musste statt teurer Einkäufe aus dem Ausland der Nachwuchs ran. Heute hat Deutschland eine exzellente Nachwuchsförderung. Diese Beispiele zeigen, wie spannend, schwierig und schließlich erfolgreich die Entwicklungsphase der deutschen Nationalmannschaft in den letzten 15 Jahren war – und dies wird auf exzellente Weise von Raphael Honigstein in "Der vierte Stern" beschrieben. Dafür reiste er von Kalifornien bis nach Durban und sprach mit den wichtigsten Vertretern des DFB und den Stars der Mannschaft. Lesen Sie los! Und wir sind gespannt auf den weiteren Erfolg von Löws Mannschaft 2016.   

Bibliografie:

Raphael Honigstein
Der vierte Stern
Wie sich der deutsche Fußball neu erfand
Ullstein Taschenbuch Verlag
384 Seiten
12,99 Euro
ISBN: 978-3-548-37652-3

© Ullstein

Cover Urs Meier 25. Juni 2016: "Urs Meier. Mein Leben auf Ballhöhe" (Delius Klasing)

Die EM läuft und Deutschland ist im Achtelfinale. Und bisher von Schiedsrichter-Fehlentscheidungen nicht betroffen – im Gegensatz zu früheren Jahren. Solange es noch nicht den Video-Beweis gibt, wird es immer wieder Diskussionen – insbesondere unter Fans – zu "gefühlten" und auch echten Fehlentscheidungen geben. Mittlerweile sind einige Schiedsrichter auch als Fußballexperten populär geworden. Seit 2006, als er im Kommentatoren-Duo mit Jürgen Klopp dem etablierten Gespann Delling und Netzer große Konkurrenz machte, gehört der Schweizer Urs Meier zu den bekanntesten ehemaligen Schiedsrichtern. Aktuell ist er als Kommentator bei der EM zu sehen.

Urs Meyer, auch als "Sonnyboy" der Schiedsrichter bezeichnet, genießt fachlich einen exzellenten Ruf. Er leitete 883 Fußballspiele, darunter ein Champions-League Finale. In seiner aktuell erschienenen Biografie "Mein Leben auf Ballhöhe" klärt Urs Meier anhand seines Werdegangs und einiger persönlicher Episoden auf, was Schiedsrichter eigentlich leisten müssen. Neben Erlebnissen mit Superstars erzählt er auch über den Druck, dem Schiedsrichter ausgesetzt sind. Er plädiert vehement für die Einführung von professionellen und fest angestellten Schiedsrichtern. Einiges habe sich schon verbessert, so z. B. dass FIFA Schiedsrichter seit 2004 normalerweise drei feste Assistenten haben, von denen dann wiederum zwei für das jeweils anstehende Turnier gemeinsam mit ihnen nominiert werden. Die Lektüre dieses Buches ist nicht nur unterhaltsam, sondern führt auch dazu, dass man die Schiedsrichter, jetzt z. B. bei den Achtelfinalspielen der EM, mit etwas anderen Augen betrachtet.

Bibliografie:

Urs Meier, Jürgen Pander
Urs Meier. Mein Leben auf Balhöhe
Delius Klasing
246 Seiten
19,90 Euro
ISBN: 978-3-667-10444-1

© Delius Klasing

Cover Rowohlt 18. Juni 2016: "Vom Libero zur Doppelsechs" (Rowohlt)

Nach dem enttäuschenden Unentschieden der deutschen Mannschaft gegen das polnische Fußballteam im "verflixten zweiten Spiel" der Gruppenrunde kam wieder die übliche Frage auf: Hat der Trainer die richtige Taktik gewählt? Wenn früher die Rede von mangelnder Kampfstärke war, kreisen heute die Kommentare um Spielerformationen und Strategien, "Doppelsechs" und das Spiel in die Tiefe.

Einen sehr lesenswerten und beeindruckenden Überblick über die Entwicklung des Fußballs in Deutschland zum komplexen Sport bietet der Taktikexperte des Blogs "Spieleverlagerung.de" Tobias Escher. Beginnend mit einem Zitat Sepp Herbergers "Wer Taktik ablehnt und sie faulen Zauber nennt, hat sie am meisten nötig", erklärt er die Entwicklung der Spielstrategie und Taktik bei den deutschen Fußballvereinen. Von den Trainingsmethoden Sepp Herbergers zu der einzigen deutschen Erfindung "dem Libero", in Person von Beckenbauer weltweit populär geworden, über Jürgen Klopps Gegenpressing zu Pep Guardiolas Ballbesitzspiel bis zum WM Sieg 2014, erfahren Sie, wie sich der Fußball zu dem entwickelt hat, was er heute ist.

Und Sie erfahren nicht nur viel über die Taktik, sondern auch über die Personen dahinter und über die Geschichte des Fußballs. Also genügend Wissen, um mitzureden, wenn der Trainer wieder die "falsche Taktik" gewählt hat. Warten wir ab, wie die Taktik Jogi Löws beim letzten Vorrundenspiel aussieht.

Bibliografie:

Tobias Escher
Vom Libero zur Doppelsechs
Rowohlt Taschenbuch Verlag
304 Seiten
12,99 Euro
ISBN: 978-3-499-63138-2

© Rowohlt Taschenbuch Verlag

Fussballkolumne Vive la France 11. Juni 2016: "Vive la France. Das Kochbuch zur Fußball-EM 2016" (Verlag Die Werkstatt)

Der Werkstatt Verlag ist einer meiner Lieblingsverlage, weil er sich mit vollem Herzen dem Thema Fußball widmet. Weniger um Fußball als vielmehr um die Orte, in denen die europäischen Teams während der EM in Frankreich spielen, geht es allerdings in "Vive la FRANCE − Das Kochbuch zur Fußball-EM". Die zehn Stadien in ihren Städten und kulinarischen Regionen bilden die Basis dieses "kulinarischen Reiseführers" durch die Fußball-EM. Und wie es sich für das Mutterland der Haute Cuisine gehört, wird für jede Region ein richtiges Menü mit Fotos und Rezept schmackhaft in Szene gesetzt.

Das mit zahlreichen Fotos ausgestattete Buch weckt die Lust aufs Kochen. Nutzen Sie z. B. das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Polen am 16. Juni in Saint Denis, um nach dem einfach nach zu kochenden Rezept ein typisches Menü aus der Region zu kredenzen: "Rilette de thon, Salade aux champignons und Assortiments de fromages francais". Übrigens erfährt man auch, dass St. Denis an der Region Champagne-Ardennes grenzt. Dann passt bei einem deutschen Sieg ja auch noch ein Glas Champagner dazu.  

Natürlich gibt es auch Fußballwissen. Zu jedem Stadion wird das dort spielende Heimteam vorgestellt. Und wer zur EM direkt in Frankreich ist oder zukünftig mal sein wird, erfährt auch alles über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Austragungsorte.

Viel Spaß bei der EM, gute Reise und bon appétit!

Bibliografie:

Katrin Roßnick
Vive la France − Das Kochbuch zur Fußball-EM 2016
Verlag Die Werkstatt
96 Seiten
163 Abbildungen
12,90 Euro
ISBN: 978-3-7307-0217-8

© Verlag Die Werkstatt

Fussballkolumne Infografik Den Start der Kolumne machte am 4. Juni 2016 "Das ist Fußball" (Delius Klasing):

Während an diesem Samstag in Frankfurt 400 Kinder aus unserem "Fußball trifft Kultur"-Projekt ihr Turnier spielen, starten eine Woche später in Paris die Profis in die Fußball-EM. Bei der EM werden auch Menschen zu Fußballfans, die sich sonst wenig mit Fußball zu tun haben. Denen, und natürlich auch allen anderen Fußballfans, kann ich unter dem Motto "Was Sie schon immer über Fußball wissen wollten" das gerade bei Delius Klasing erschienene Infografik-Fußballbuch "Das ist Fußball" empfehlen.

Auf von dem bekannten Illustrator Daniel Nyari originell und übersichtlich gestalteten 192 Seiten erfahren Sie sowohl harte Fakten als auch "unnützes" Fußballwissen. Neben einem Überblick über die Fußballgeschichte, die WM und EM liefern die Grafiken u. a. auch Einblicke in die taktische Aufstellung, die Gehälter der Stars, die unfassbaren Fehlentscheidungen der Schiedsrichter und die ultimative Weltauswahl. Und wenn Sie bei Fußball-Plaudereien glänzen wollen, lesen Sie nach, welcher Fußballstar die meisten Twitter-Follower hat, welche Spieler die schönste Haarpracht, welche Spitznamen Fußballer haben und dass Pierre Aubameyang im Trainingslager im 30-Meter-Sprint 0,08 Sekunden schneller war als Usain Bolt.

"Das ist Fußball" liefert (fast) alle Antworten auf die kleinen und großen Fragen zur vielleicht schönsten Nebensache der Welt. Und bietet jede Menge (neuen) Diskussionsstoff – für alle glühenden Fußballfans und solche, die es werden möchten!

Bibliografie:

Autor: John Andrew / Illustrationen: Daniel Nyari
Das ist Fußball
Delius Klasing
192 Seiten
400 farbige Abbildungen
19,90 Euro
ISBN: 978-3-667-10565-3

© Delius Klasing

 

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