Kolumne Wirtschaftsmacht Fussball "Fußballligen als Wirtschaftsimperien"

7. Juni 2020: Seit 15. Mai können sich Fußballfans wieder Spiele der Bundesliga anschauen – als Geisterspiele im TV oder auf digitalen Medien. Bisher liefen diese Geisterspiele im wahrsten Sinne des Wortes auch „geräuschlos“ ab. Die vorangegangene heftige Diskussion um die weitere Durchführung der Bundesliga mit Geisterspielen hat gezeigt, dass der Profifußball mit seinen „Fußballer-Millionären“ von vielen negativ beurteilt wird. Einigen Kritikern wurde allerdings erst jetzt bewusst, dass es sich bei den Clubs um mittelständische Unternehmen handelt, die mit dem Fußball „wirtschaften“.

Genau zu dieser „Wirtschaftsmacht Fußball“ erschien kurz vor Ausbruch der Corona-Krise das Sachbuch von Dieter Hintermeier. Der Wirtschaftsexperte und Fußballtrainer beschreibt die Hintergründe, Fakten und Visionen eines globalen Milliardengeschäfts. Während in Großbritannien im Fußball bereits seit den 1880er Jahren Fußballer Profis waren, wurde dies in Deutschland erst 1963 umgesetzt. Mit dem Start der Bundesliga wurden aus dem Vertragsspieler ein Lizenzspieler, dem der DFB ein Gehalt von 1.200 DM erlaubte. Heute liegen die Gehälter der Bundesligaprofis um ein Vielfaches höher und die Topspieler wie z.B. Thomas Müller oder Robert Lewandowski kommen auf Jahresgehälter von 15 Millionen Euro.

Wie es zu dieser Entwicklung kam, erklärt Hintermeier und zeigt auch konkrete Zahlen auf. Eine wichtige Rolle spielen die Medien und die Globalisierung. In Deutschland begann mit den Privatsendern und Sendungen wie z.B. „Ran“ die Kommerzialisierung des Fußballs. Die Bezahlsender kamen hinzu. TV-Gelder gehören bei den Bundesligaclubs zur wichtigen Einnahmequelle, was jetzt insbesondere bei der Diskussion um die Geisterspiele deutlich wurde. Aber auch Sponsoring und Einkünfte durch Lizenzartikel, insbesondere Trikots, sind Teil des Geschäftsmodells. Die Einkünfte durch die Stadionbesucher nehmen einen geringeren Teil ein.

Die Fußball-Ligen sind mittlerweile Wirtschaftsimperien. Die Umsätze in der Saison 2017/18 lagen in der Premier League bei 5,4 Milliarden, in der Bundesliga bei 3,2 Milliarden und in der Primera Division bei 3,1 Milliarden.

Auf die Besitzerstruktur der einzelnen europäischen Clubs geht Hintermeier genauso ein wie auf die sich ändernden Strukturen in den Clubs und die zunehmende Zahl von internationalen Wettbewerben. Die Rolle der Trainer und Manager ist heute eine ganz andere wie vor 20 Jahren. Und die Clubs müssen sich, wenn noch nicht geschehen, professionalisieren.

Neben der Darstellung des Wirtschaftsunternehmen Fußball verweist Hintermeier auch auf gesellschaftliche Entwicklungen, die den Fußball verändern könnten. Social Media-Kanäle werden sowohl von den Clubs als auch von vielen Profifußballern zunehmend genutzt. Einige Bundesligaclubs haben eigene TV-Sender. Die Digitalisierung nimmt immer mehr Raum ein, E-Sports gewinnt an Bedeutung.

Wie die Zukunft des Fußballs genau aussehen könnte, erzählt uns Hintermeier nicht. Aber er gibt Auskunft darüber, wie die wirtschaftlichen Strukturen im Fußball, insbesondere auch im deutschen Fußball, heute aussehen und wie es dazu kam. Bundesliga-Fußball ist eben nicht nur eine faszinierende und unterhaltsame Sportart, sondern auch ein Geschäftsbetrieb, der profitabel arbeiten muss, um zu überleben.

Bibliografie
Dieter Hintermeier
"Wirtschaftsmacht Fußball"
Hanser
288 S., 24,99 Euro
ISBN 978-3-446-46343-1

Copyright Cover: Hanser

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